Camera tight on face, head fills frame. Every blink, every muscle twitch visible. Essential for reaction shots—reveals whether an actor can carry a moment in silence.
Definition
Das Close-Up (deutsch: Großaufnahme, Abkürzung: CU oder G) ist eine Einstellungsgröße, bei der das Gesicht einer Person das Bild formatfüllend ausfüllt. Der typische Bildausschnitt reicht von der Oberkante des Kopfes bis zum oberen Brustbereich. Das Close-Up ist eines der wichtigsten Werkzeuge filmischer Erzählung.
Bildausschnitt
Klassisches Close-Up
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│ │ Stirn │ │
│ │ Augen │ │
│ │ Nase │ │
│ │ Mund │ │
│ │ Kinn │ │
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│ (Schultern) │
└─────────────────────────┘Variationen
- Medium Close-Up (MCU): Etwas weiter, Kopf bis Brust
- Big Close-Up (BCU): Enger, nur Stirn bis Kinn
- Extreme Close-Up (ECU): Nur Augen oder Mund
Funktion und Wirkung
Emotionale Wirkung
- Intimität und Nähe erzeugen
- Inneres Leben des Charakters zeigen
- Empathie beim Zuschauer wecken
- Reaktionen hervorheben
Dramaturgische Funktion
- Wichtige emotionale Momente betonen
- Wendepunkte markieren
- Aufmerksamkeit fokussieren
- Zeit subjektiv dehnen
Informationsvermittlung
- Reaktionen zeigen
- Lügen/Wahrheit andeuten
- Entscheidungsprozesse visualisieren
Technische Umsetzung
Brennweite
- Porträt-Brennweiten: 50mm, 85mm, 100mm (Vollformat)
- Längere Brennweiten komprimieren Gesichtszüge vorteilhaft
- Weitwinkel im Close-Up verzerrt (Stilmittel oder Fehler)
Licht
- Key Light: Definiert Charakter des Gesichts
- Augenlichter: Essentiell für Lebendigkeit
- Schatten: Erzählen mit (Noir) oder neutral (TV-Standard)
Fokus
- Schärfepunkt auf den Augen (äußeres Auge bei Seitenblick)
- Bei offener Blende: Nase/Ohren bereits unscharf
- Focus Puller muss präzise arbeiten
Regeln und Tipps
Bildkomposition
- Blickrichtung beachten: Luft lassen in Blickrichtung
- Headroom: Nicht zu viel Raum über dem Kopf
- Augen im oberen Bilddrittel (Drittel-Regel)
Wann Close-Up einsetzen?
- ✓ Emotionale Höhepunkte
- ✓ Reaktionen auf wichtige Ereignisse
- ✓ Innere Konflikte
- ✓ Erkenntnismomente
- ✗ Nicht inflationär verwenden
- ✗ Nicht für neutrale Informationsvermittlung
Geschichte des Close-Ups
Das Close-Up wurde von Pionieren wie D.W. Griffith und Sergei Eisenstein als revolutionäres Erzählmittel etabliert. Vor dem Film gab es keine Kunstform, die das menschliche Gesicht so groß und detailliert zeigen konnte.
"Das Close-Up ist die Seele des Films." — Béla Balázs, Filmtheoretiker
Kulturelle Unterschiede
- Hollywood: Häufiger Einsatz, emotionale Führung
- Europäisches Kino: Oft zurückhaltender, distanzierterer
- Asiatisches Kino: Lange gehaltene Close-Ups (Wong Kar-wai)
Siehe auch
- Extreme Close-Up – Noch engerer Ausschnitt
- Medium Shot – Halbnahe Einstellung
- Einstellungsgröße – Übersicht aller Größen
- Großaufnahme – Deutscher Fachbegriff