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Magnetisches Vorschaltgerät
Licht · Begriffe

Magnetisches Vorschaltgerät

Magnetic Ballast
Murnau AI illustration
ballast color temperature flow roll take

Elektromagnetisches Vorschaltgerät für HMI-Lampen — schwerer und günstiger als elektronische Varianten.

Technische Details

Magnetische Vorschaltgeräte arbeiten mit Betriebsfrequenzen von 50 Hz (Europa) oder 60 Hz (USA) und erzeugen entsprechend 100 Hz bzw. 120 Hz Lichtflimmern. Typische Leistungsklassen reichen von 200W bis 18.000W, wobei 1,2kW, 2,5kW und 6kW Standard-Konfigurationen darstellen. Der Wirkungsgrad liegt bei 85-90%, die Verlustleistung wird als Wärme abgegeben. Professionelle Filmvorschaltgeräte (Electronic Ballasts) von Herstellern wie ARRI oder K5600 verfügen über Flicker-Free-Modi mit Frequenzen ab 300 Hz und ermöglichen Hot-Strike-Zündungen ohne Abkühlphasen.

Geschichte & Entwicklung

Magnetische Vorschaltgeräte entstanden in den 1930er Jahren parallel zur Entwicklung der Entladungslampen-Technologie. Die erste Filmproduktion mit HMI-Licht war 1968 "The Thomas Crown Affair", wobei damals ausschließlich magnetische 50Hz-Vorschaltgeräte verwendet wurden. 1985 führte ARRI die ersten elektronischen Hochfrequenz-Vorschaltgeräte (Electronic Ballasts) ein, die das problematische Flimmern eliminierten. Moderne ARRI True Blue oder K5600 Joker-Systeme arbeiten heute mit 1000 Hz Schaltfrequenz.

Praxiseinsatz im Film

Bei "Blade Runner 2049" (2017) nutzte Kameramann Roger Deakins gezielt 50Hz-HMI-Flimmern für dystopische Neon-Atmosphären, während Hochfrequenz-Vorschaltgeräte für natürliches Tageslicht eingesetzt wurden. Magnetische Vorschaltgeräte erfordern bei 24fps-Aufnahmen präzise 172,8°-Shutterwinkel zur Flimmervermeidung, während bei 25fps der Standard-180°-Shutter funktioniert. Der Schallpegel von 40+ dB macht separate Tonaufnahmen bei Dialogszenen erforderlich, weshalb sich elektronische Vorschaltgeräte mit <25 dB Geräuschpegel durchsetzten.

Vergleich & Alternativen

Elektronische Vorschaltgeräte (Electronic/Digital Ballasts) bieten stufenlose Dimmung von 10-100%, Hot-Strike-Zündung und Flicker-Free-Betrieb, kosten jedoch 3-5x mehr als magnetische Varianten. LED-Systeme wie ARRI SkyPanel eliminieren Vorschaltgeräte komplett durch integrierte Netzteile. Magnetische Vorschaltgeräte bleiben bei Budget-Produktionen und Rental-Houses wegen ihrer Robustheit und niedrigen Anschaffungskosten von 800-2000€ (vs. 3000-8000€ elektronisch) relevant.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich verwende magnetische Vorschaltgeräte nur noch für spezielle Flimmer-Effekte oder wenn das Budget keine elektronischen Ballasts zulässt. Bei 24fps muss ich den Shutterwinkel auf exakt 172,8° setzen, um das 100Hz-Flimmern zu vermeiden, was meine Bewegungsunschärfe beeinflusst. Die 15kg-Gewichtsklötze sind ein logistischer Albtraum bei Handheld-Setups.

Regisseur

Magnetische Vorschaltgeräte geben mir eine authentische Flimmer-Ästhetik für Szenen in heruntergekommenen Locations oder Industriekulissen - das organische 50Hz-Stroboskop erzeugt Unruhe beim Zuschauer. Allerdings sind die Brummgeräusche bei intimen Dialogszenen ein Killer, weshalb ich dann auf teure elektronische Ballasts umsteigen muss. Die Wartezeiten beim Lampenwechsel durch fehlende Hot-Strike-Funktion kosten mir täglich 30-45 Minuten.

Produzent

Magnetische Vorschaltgeräte kosten mich 70% weniger in der Anschaffung, aber die Folgekosten durch längere Drehtage wegen Flimmer-Problemen und Ton-Nachsynchronisation rechnen sich selten. Bei internationalen Koproduktionen sind die 50/60Hz-Kompatibilitätsprobleme zwischen europäischen und amerikanischen Sets ein zusätzlicher Kostenfaktor. Die Robustheit zahlt sich bei rauen Drehbedingungen aus - weniger Reparaturkosten als bei empfindlichen elektronischen Systemen.

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