Technische Details
Die Jena-Objektive zeichneten sich durch ihre Tessar- und Sonnar-Konstruktionen aus, wobei das Tessar 2.8/50mm als "Adlerauge der Fotografie" weltberühmt wurde. Die Sonnar-Baureihe erreichte Lichtstärken von f/1.5 bis f/0.7 bei Brennweiten zwischen 50mm und 180mm. Besondere Bedeutung erlangten die Flektogon-Weitwinkelobjektive (10mm-35mm) mit ihrer retrofokalen Konstruktion und die Olympia-Sonnar f/1.8/180mm, ursprünglich für die Olympischen Spiele 1936 entwickelt. Die Vergütung der Linsen erfolgte durch das hauseigene T-Coating-Verfahren, das Streulicht minimierte und Kontrast sowie Farbsättigung steigerte.
Geschichte & Entwicklung
Ernst Abbe gründete 1846 gemeinsam mit Carl Zeiss die optische Werkstätte in Jena. 1896 entwickelte Paul Rudolph das revolutionäre Tessar-System, gefolgt 1929 von Ludwig Berteles Sonnar-Konstruktion. Nach 1945 teilte sich das Unternehmen: Während Carl Zeiss SMT in Oberkochen (Westdeutschland) neu aufgebaut wurde, produzierte Carl Zeiss Jena weiter in der DDR. Die Jena-Werke entwickelten eigenständig Objektive für das ORWOCHROM-Farbfilmverfahren und spezielle Anamorphot-Systeme für Breitwandformate. 1991 erfolgte die Übernahme durch Carl Zeiss SMT, wodurch die traditionsreiche Jena-Produktion endete.
Praxiseinsatz im Film
Stanley Kubrick verwendete für "Barry Lyndon" (1975) modifizierte Zeiss-Jena-Objektive f/0.7, ursprünglich für NASA-Mondmissionen entwickelt, um Kerzenlicht-Szenen ohne zusätzliche Beleuchtung zu filmen. Die DEFA-Studios drehten sämtliche Produktionen mit Jena-Objektiven, darunter "Die Legende von Paul und Paula" (1973) und "Solo Sunny" (1980). Auch westliche Produktionen nutzten die charakteristische Jena-Optik: "Blade Runner" (1982) setzte vintage Zeiss-Jena-Objektive für spezielle Effektaufnahmen ein. Die Objektive erzeugten einen unverwechselbaren Look mit sanftem Kontrast, warmer Farbwiedergabe und dezenter Vignettierung.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zu den klinisch-scharfen modernen Zeiss-Objektiven aus Oberkochen besaßen Jena-Optiken einen weicheren, organischeren Charakter. Während Leica-Objektive für ihre neutrale Farbwiedergabe bekannt sind, neigten Jena-Linsen zu wärmeren Hauttönen. Cooke-Objektive bieten ähnliche Weichheit, erreichen jedoch nicht die extreme Lichtstärke der Jena-Sonnars. Heute ersetzen Zeiss Supreme Prime und Master Prime die historischen Jena-Objektive, moderne Cinematographer greifen jedoch für spezielle Looks weiterhin auf vintage Jena-Glas zurück, das aufgrund seiner Seltenheit Tagesmieten von 200-800 Euro erzielt.