Mindestpause zwischen Ende eines Drehtags und Beginn des nächsten — meist 12 Stunden. Schützt Crew vor Übermüdung und ist gewerkschaftlich geregelt.
Technische Details
Die 12-Stunden-Regel beginnt ab dem Moment des "Wraps" (Drehschluss) und endet mit dem ersten Call des Folgetages. Überstunden reduzieren automatisch die verfügbare Arbeitszeit des nächsten Tages: Endet ein Drehtag um 22:00 Uhr, kann frühestens um 10:00 Uhr weitergedreht werden. Bei Unterschreitung der Ruhezeit fallen Zuschläge von 25% bis 100% an. Samstag auf Sonntag verlängert sich die Ruhezeit auf 35 Stunden (Wochenendruhe). Für internationale Koproduktionen gelten die jeweils strengeren nationalen Bestimmungen.
Geschichte & Entwicklung
Die ersten Ruhezeitregelungen entstanden 1919 nach den Streiks in Hollywood, als 16-Stunden-Drehtage Standard waren. Deutschland führte 1952 die 12-Stunden-Regel ein, zunächst nur für Hauptdarsteller. 1974 erweiterte der erste TVFF die Regelung auf alle Filmschaffenden. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie von 1993 verschärfte die Bestimmungen und führte zur heutigen strikten Handhabung. Moderne Produktionen nutzen seit den 2000er Jahren digitale Call-Sheet-Software zur automatischen Berechnung der Turnaround-Zeiten.
Praxiseinsatz im Film
Bei "Das Boot" (1981) führten die 6-monatigen U-Boot-Dreharbeiten zur Etablierung spezieller Turnaround-Regelungen für Studiobauten. "Cloud Atlas" (2012) koordinierte drei internationale Crews mit unterschiedlichen Ruhezeitbestimmungen durch gestaffelte Drehpläne. Night-Shoots erfordern besondere Planung: Nach einer Nachtschicht von 18:00 bis 6:00 Uhr kann erst um 18:00 Uhr des Folgetags weitergedreht werden. Split-Crews ermöglichen kontinuierliches Arbeiten, verdoppeln aber die Personalkosten. Location-Wechsel zwischen verschiedenen Zeitzonen verkomplizieren die Berechnung zusätzlich.
Vergleich & Alternativen
Die "französischen Stunden" (kontinuierlicher Dreh ohne Mittagspause, dafür früherer Schluss) verkürzen die Gesamtarbeitszeit und maximieren die Ruhezeit. "Golden Time" (Überstunden ab der 10. Stunde) unterscheidet sich vom Turnaround durch sofortige Lohnzuschläge statt Zeitverschiebung. In den USA gilt die 8-Stunden-Turnaround-Regel der DGA (Directors Guild), in Großbritannien 11 Stunden nach BECTU-Tarifvertrag. Sechs-Tage-Wochen erfordern 54-Stunden-Wochenendruhe, Fünf-Tage-Wochen nur 35 Stunden.