Mikrofonserie von Sennheiser mit RF-Kondensatortechnik — extrem wetterresistent und rauscharm, Industriestandard.
Technische Details
Das MKH 416, der Klassiker der Serie, weist einen Frequenzbereich von 40 Hz bis 20 kHz auf, benötigt 48V Phantomspeisung und erreicht einen maximalen Schalldruckpegel von 130 dB SPL. Die charakteristische Keulencharakteristik mit 28 cm Rohrlänge sorgt für eine Richtwirkung, die bei 1 kHz um 10 dB stärker ausgeprägt ist als bei Kleinmembranmikrofonen. Weitere Modelle wie das MKH 8060 (19 cm) oder MKH 70 (42 cm) variieren in Länge und Richtwirkung. Die RF-Technologie verhindert das gefürchtete "Crackling" bei Feuchtigkeit, das andere Kondensatormikrofone bei Außendrehs unbrauchbar macht.
Geschichte & Entwicklung
Sennheiser führte 1967 das erste MKH-Modell ein, nachdem Fritz Sennheiser die RF-Kondensatortechnik aus der Rundfunktechnik adaptierte. Das legendäre MKH 815 mit 55 cm Länge etablierte in den 1970ern den "Sennheiser-Sound" in Hollywood. Die kompakteren MKH 416/418-Modelle folgten 1981 und wurden zum De-facto-Standard für Filmton. 2009 erneuerte die 8000er-Serie die Technik mit verbesserter Elektronik und geringerem Eigenrauschen von nur 10 dB(A).
Praxiseinsatz im Film
Tonmeister verwenden das MKH 416 standardmäßig für Dialogaufnahmen bei "Das Boot" (1981) oder aktuell bei Marvel-Produktionen. Die extreme Richtwirkung ermöglicht saubere Dialoge auch bei schwierigen Locationbedingungen. Bei "Blade Runner 2049" kamen MKH 8070 für Außenatmosphären zum Einsatz. Der typische Workflow sieht das MKH an einer Tonangel (Boom) in 30-60 cm Abstand zu den Schauspielern vor. Nachteil: Die starke Richtwirkung erfordert präzises Führen und kann bei ungeübten Tonassistenten zu Off-Axis-Problemen führen.
Vergleich & Alternativen
Während Schoeps CMIT-Mikrofone analytischer klingen, bieten MKH-Modelle einen "wärmeren" Mitteltonbereich, der Stimmen natürlicher wiedergibt. Audio-Technica 4073a oder Deity S-Mic 2 erreichen ähnliche Richtwirkung zu niedrigeren Kosten, jedoch ohne die RF-Technologie. Rode NTG-Serien eignen sich für Low-Budget-Produktionen, erreichen aber nicht die Zuverlässigkeit der MKH-Serie bei extremen Witterungsbedingungen. Für Studioproduktionen bevorzugen manche Tonmeister Neumann KMR wegen geringerer Eigenresonanz.
Aktuelles
Das Sennheiser MKH50 wird in aktuellen Produktionsdemos als Referenz-Mikrofon eingesetzt, etwa in Kombination mit dem Sound Devices MixPre-3 II 32-bit Float Recorder. In einer Demonstration des DEITY DIFB IFB-Systems zeigt sich die praktische Anwendung des MKH50 in modernen Wireless-Audio-Workflows mit nur 11ms Latenz.