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ARRI 765
Kamera · Begriffe

ARRI 765

Murnau AI illustration
arri flow para roll take

ARRIs 65mm-Filmkamera für Großformat-Produktionen — modernste Mechanik für maximale Bildqualität auf Film.

Technische Details

Die Kamera arbeitet mit Bildfrequenzen von 12 bis 30 fps bei Vorwärtslauf und 12 bis 32 fps bei Rückwärtslauf. Das Magazin fasst bis zu 1000 Fuß (305 m) 65mm-Film, was bei 24 fps etwa 9 Minuten Laufzeit entspricht. Die ARRI 765 wiegt ohne Magazin 8,9 kg und misst 385 × 185 × 200 mm. Sie verfügt über ARRIs bewährtes PL-Mount-System und ist mit speziellen Large-Format-Objektiven kompatibel. Der mechanische Verschluss arbeitet mit variabler Öffnung von 11,2° bis 356,8°. Die Kamera nutzt 24V-Stromversorgung und verbraucht durchschnittlich 85 Watt.

Geschichte & Entwicklung

ARRI entwickelte die 765 als Antwort auf die wachsende Nachfrage nach Large-Format-Aufnahmen, nachdem Christopher Nolan erfolgreich mit umgebauten 65mm-Kameras experimentiert hatte. Die Kamera wurde erstmals auf der NAB 2017 präsentiert und ging 2018 in die Serienproduktion. Sie basiert auf ARRIs jahrzehntelanger Erfahrung mit 35mm-Filmkameras, wurde jedoch komplett neu für das 65mm-Format konstruiert. 2019 folgte eine überarbeitete Version mit verbesserter Elektronik und optimiertem Filmtransport.

Praxiseinsatz im Film

Die ARRI 765 kam bei Produktionen wie "Tenet" (2020), "Dune" (2021) und "Top Gun: Maverick" (2022) zum Einsatz. Der Workflow erfordert spezialisierte Labore für die 65mm-Entwicklung und -Digitalisierung, typischerweise mit 8K-Scannern. Die große Sensorfläche ermöglicht extreme Schärfentiefe-Effekte und außergewöhnliche Detailauflösung. Nachteile sind der hohe Filmverbrauch, das Gewicht der Ausrüstung und die begrenzte Verfügbarkeit von Objektiven. Die Kamera eignet sich besonders für IMAX-Projektionen und Großleinwand-Formate.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zur klassischen 65mm-Panavision-Kamera bietet die ARRI 765 moderne elektronische Funktionen und präzisere Filmführung. Digitale Alternativen sind die ARRI ALEXA 65 oder RED MONSTRO 8K VV, die ähnliche Sensorgrößen bieten, aber nicht die charakteristische Filmoptik. Die 765 wird gewählt, wenn maximale Bildqualität für Kinoleinwand-Projektionen gefordert ist und das Budget die aufwendige 65mm-Pipeline erlaubt. Für Standard-Produktionen bleibt 35mm oder Digital die praktikablere Lösung.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Die ARRI 765 gibt mir eine Bildqualität, die digital nicht erreichbar ist – die Kornstruktur und Farbtiefe des 65mm-Films schaffen eine organische Bildsprache, die besonders bei Landschaftsaufnahmen und Totalen beeindruckt. Das große Format erlaubt mir extremere Weitwinkel-Perspektiven ohne Verzerrung, allerdings muss ich beim Fokus-Pulling deutlich präziser arbeiten, da die geringe Schärfentiefe bei offener Blende keine Fehler verzeiht. Die schwere Ausrüstung schränkt die Beweglichkeit ein, weshalb ich Steadicam-Shots und Handheld-Sequenzen sorgfältiger planen muss.

Regisseur

Mit der ARRI 765 kann ich eine visuelle Monumentalität erzeugen, die dem Publikum das Gefühl gibt, direkt in der Szene zu stehen – besonders bei Action-Sequenzen und epischen Landschaften entsteht eine Immersion, die der Geschichte zusätzliche emotionale Tiefe verleiht. Die Kornstruktur des Films gibt meinen Bildern eine zeitlose, analoge Qualität, die perfekt zu Stoffen passt, die eine gewisse Erhabenheit oder historische Dimension benötigen. Allerdings muss ich bei der Inszenierung bedenken, dass jede Einstellung kostbar ist – spontane Takes oder experimentelle Ansätze sind durch die hohen Materialkosten begrenzt.

Produzent

Die ARRI 765 bedeutet Mehrkosten von etwa 15-20% gegenüber Digital, allein durch Filmmaterial, Laborkosten und die längeren Postproduktions-Workflows für die 8K-Digitalisierung. Pro Drehtag benötige ich mindestens drei Magazine und einen erfahrenen Loader, da das Wechseln der 1000-Fuß-Magazine Zeit kostet und präzise Kalkulation erfordert. Die begrenzte Verfügbarkeit der Kameras bedeutet frühe Buchung und höhere Mietpreise, dafür kann ich das Large-Format als Marketing-Argument für Premium-Kino-Formate wie IMAX nutzen, was die Zusatzerlöse rechtfertigt.

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