Filmlexikon.
Unterstützen
Joch
Licht · Begriffe

Joch

Yoke
Murnau AI illustration
color temperature flow roll take

U-förmige Halterung an Scheinwerfern, ermöglicht 360°-Drehung und stufenlose Neigungsverstellung der Leuchte.

Technische Details

Standardjoche bestehen aus 16-20mm starkem Stahl oder Aluminium und ermöglichen Neigungswinkel von -90° bis +90°. Das Joch ist mit Reibungsbremsen oder Zahnradgetrieben ausgestattet, die Drehmomente bis 200 Nm aufnehmen können. Bei Fresnel-Scheinwerfern ab 5kW sind die Joche verstärkt ausgeführt und wiegen zwischen 2-8 kg. Moving-Light-Systeme verwenden motorisierte Joche mit Schrittmotoren (typisch 1,8° Schrittweite) und Encodern für präzise Positionierung. Die Lagerung erfolgt über Kugellager oder wartungsfreie Gleitlager aus Bronzelegierungen.

Geschichte & Entwicklung

Die ersten Filmscheinwerfer der 1910er Jahre verwendeten noch einfache Klemmsysteme ohne bewegliche Aufhängung. Das standardisierte Jochsystem entwickelte sich in den 1920er Jahren bei Mole-Richardson in Hollywood parallel zur Einführung der Fresnel-Linse. 1935 führte Strand Electric die ersten Joche mit Zahnradgetrieben ein, die präzise Winkeleinstellungen ermöglichten. In den 1980er Jahren entstanden die ersten computergesteuerten Joche für Moving-Heads, während moderne LED-Panels heute oft mit Carbon-Jochen arbeiten, die 40% leichter sind als Stahlausführungen.

Praxiseinsatz im Film

Cinematographer Roger Deakins nutzte bei "Blade Runner 2049" (2017) modifizierte Joche an ARRI SkyPanel S360-C, um die charakteristischen vertikalen Lichtstreifen zu erzeugen. Die präzise Neigungseinstellung ermöglichte millimetergenaue Schatten-Positionierung. Bei "1917" (2019) kamen motorisierte Joche zum Einsatz, die während der langen Kamerafahrten synchron zur Bewegung gesteuert wurden. Das Joch bestimmt die Geschwindigkeit von Lichtveränderungen - während manuelle Systeme 2-3 Sekunden für eine 45°-Drehung benötigen, schaffen motorisierte Varianten dieselbe Bewegung in 0,8 Sekunden.

Vergleich & Alternativen

Gegenüber starren Befestigungen bietet das Joch 180° Bewegungsfreiheit in einer Achse, während Cardanic-Aufhängungen (Pan-Tilt-Heads) beide Rotationsebenen abdecken. Moderne Gimbal-Systeme ersetzen mechanische Joche zunehmend durch bürstenlose Motoren mit 16-Bit-Auflösung. Track-Systeme mit Linear-Motoren sind bei großen LED-Walls präziser als Joch-Systeme, kosten aber das 3-4fache. Für Gewichte unter 5kg setzen sich Quick-Release-Joche durch, die Auf- und Abbauzeiten von 45 auf 12 Sekunden reduzieren.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich achte darauf, dass die Joch-Mechanik absolut spielfrei läuft - schon 0,5° Spiel können bei Nahaufnahmen sichtbare Schatten-Sprünge verursachen. Bei schnellen Lichtwechseln während Takes verwende ich nur noch motorisierte Systeme, da die manuelle Bedienung zu unpräzise und zu langsam ist. Wichtig ist mir auch der Noise-Level der Motoren - alles über 35dB stört bei Dialog-Szenen.

Regisseur

Das Joch ist mein Werkzeug für emotionale Licht-Choreografie - eine langsame 30°-Neigung kann die Stimmung einer Szene komplett verändern, ohne dass es bewusst auffällt. Ich plane Joch-Bewegungen bereits im Storyboard mit ein, besonders bei langen Einstellungen wo sich die Lichtsituation organisch entwickeln soll. Die Geschwindigkeit der Bewegung muss dabei exakt zur Schauspielrhythmik passen.

Produzent

Motorisierte Joche kosten 4.000-12.000€ mehr als manuelle, sparen aber täglich 2-3 Stunden Setup-Zeit und reduzieren den Personalaufwand um einen Beleuchter pro Unit. Bei 40-tägigen Drehplänen amortisiert sich die Investition bereits nach 20 Drehtagen. Wichtig ist die Kompatibilität mit vorhandenen DMX-Systemen - Neuprogrammierung kostet zusätzlich 2-3 Tage Prep-Zeit.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Wissen testen

Quiz

1. Zu welchem Department gehört „Joch"?

2. Wie viele verschiedene Fachperspektiven bietet dieser Eintrag?

Fehler melden
Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Produktionen kalkulieren, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist Teil des Filmfarm-Ökosystems — neben Kalkulation (FilmBalance), Branchen-Magazin (FilmCircus) und Crew-Vernetzung (FilmCall, CrewMesh). Eine gemeinsame Begriffswelt für die ganze Produktion.

FilmFarm FilmRadarBald verfügbarFilmPulseBald verfügbarFilmNumbersBald verfügbarFilmCapitalBald verfügbarFilmLabBald verfügbarFilmBalanceBald verfügbarFilmCircusBald verfügbar