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Sankor 16D
Kamera · Begriffe

Sankor 16D

Murnau AI illustration
flow para roll take

Sankor 16D: Weiterentwicklung des 16C-Anamorphots mit verbesserter Schärfeleistung und reduzierter chromatischer Aberration.

Technische Details

Das Sankor 16D verfügt über eine feste Brennweite und einen Kompressionsfaktor von exakt 2x horizontal. Die Optik besteht aus vier Linsenelementen in asymmetrischer Anordnung, wobei die charakteristischen zylindrischen Elemente für die anamorphotische Verzerrung sorgen. Das Objektiv hat einen Frontdurchmesser von 67mm und wiegt etwa 280 Gramm. Die minimale Fokussierungsentfernung liegt bei 1,5 Metern. Typischerweise wird das Sankor 16D mit einer Klemmkonstruktion vor Standard-Objektive (meist 50mm oder 85mm) montiert, was eine doppelte Fokussierung erforderlich macht - am Grundobjektiv und am anamorphotischen Vorsatz.

Geschichte & Entwicklung

Sankyo führte das 16D um 1965 als Projektionsobjektiv für 16mm-Filmvorführungen ein, um Scope-Filme korrekt entzerrt darstellen zu können. Ab den späten 1970er Jahren entdeckten experimentierfreudige Filmemacher das Objektiv für die umgekehrte Anwendung - die Kompression während der Aufnahme statt der Entzerrung bei der Projektion. Diese unkonventionelle Nutzung etablierte sich in den 1980er Jahren in der Independent-Filmszene als "Poor Man's Anamorphic". Sankyo stellte die Produktion in den frühen 1980er Jahren ein, was zu einem florierenden Gebrauchtmarkt führte. Heute sind originale Sankor 16D-Objektive gesuchte Sammlerobjekte mit Preisen zwischen 2.000 und 4.000 Euro.

Praxiseinsatz im Film

Das Sankor 16D erzeugt den charakteristischen anamorphotischen Look mit horizontalen Lens Flares, ovalen Bokehs und einer spezifischen Verzerrung an den Bildrändern. Die doppelte Fokussierung erfordert präzise Abstimmung zwischen Kameraassistent und Fokus Puller. Derek Jarman nutzte das Objektiv in "The Last of England" (1987) für experimentelle Sequenzen. In jüngerer Zeit setzte Shane Carruth das Sankor 16D in "Upstream Color" (2013) ein, um dem Film einen nostalgischen 70er-Jahre-Look zu verleihen. Die Optik funktioniert optimal bei Blendenwerten zwischen f/4 und f/8; bei offener Blende zeigt sie deutliche chromatische Aberrationen und Unschärfe an den Rändern.

Vergleich & Alternativen

Gegenüber modernen anamorphotischen Objektiven wie den Cooke Anamorphic/i oder ARRI Master Anamorphic bietet das Sankor 16D einen deutlich "imperfekteren" Look mit stärkeren optischen Eigenarten. SLR Magic produziert mit dem Anamorphot-50 1.33x eine moderne Hommage an Vintage-Anamorphic-Optiken. Das Isco Ultra Star und das Century Optics 2x Anamorphic sind vergleichbare Vintage-Alternativen aus derselben Ära. Für Produktionen mit begrenztem Budget bieten moderne Optiken wie die Sirui Anamorphic oder Vazen 85mm T2.8 ähnliche Charakteristika bei besserer optischer Qualität und einfacherer Handhabung.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP schätze ich die unberechenbare Charakteristik des Sankor 16D - die horizontalen Flares und das weiche Bokeh geben meinen Bildern eine organische Textur, die digital kaum reproduzierbar ist. Die doppelte Fokussierung bedeutet allerdings langsamere Arbeitsabläufe und erfordert einen erfahrenen Ersten Kameraassistenten, da bereits minimale Dejustierungen das Bild unbrauchbar machen.

Regisseur

Ich setze das Sankor 16D gezielt für Flashback-Sequenzen oder emotionale Höhepunkte ein, weil seine optischen "Fehler" eine Traumqualität erzeugen, die perfekt zu introspektiven Momenten passt. Der Vintage-Look transportiert automatisch Nostalgie und gibt meinen Charakteren eine zusätzliche emotionale Ebene, ohne dass ich das explizit inszenieren muss.

Produzent

Das Sankor 16D bedeutet 20-30% längere Drehzeiten durch die komplizierte Handhabung und höheres Risiko durch mögliche Dejustierung, aber die Anschaffungskosten von 3.000 Euro sind minimal im Vergleich zu modernen Anamorphic-Sets für 150.000 Euro pro Woche. Bei Low-Budget-Produktionen rechtfertigt der distinctive Look die zusätzlichen Drehtage durchaus.

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