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S-Log3
Kamera · Technik

S-Log3

Murnau AI illustration
color grading din color correction primary correction secondary correction power window qualifier 1d lut

Sonys aktueller logarithmischer Gamma-Standard für Kinokamera-Produktion.

Überblick

S-Log3 ist eine von Sony entwickelte logarithmische Gamma-Kurve (Log-Encoding) zur Aufzeichnung von Bewegtbild mit hohem Dynamikumfang. Es handelt sich nicht um Licht- oder Grip-Equipment, sondern um ein kameraseitiges Aufzeichnungsprofil: Die Tonwerte werden bewusst flach und kontrastarm gespeichert, damit beim späteren Color Grading möglichst viel Spielraum in Lichtern und Schatten erhalten bleibt.

S-Log3 ist die dritte Generation der S-Log-Familie nach S-Log und S-Log2. Es orientiert sich an einer Film-Transferkurve und verhält sich näher an einem "reinen" Log-Encoding als das ältere S-Log2, was ein Log-basiertes Grading erleichtert. In Kameramenüs erscheint es entweder unter "Log Shooting Setting" (neuere Modelle) oder als Picture Profile (etwa PP8 mit S-Gamut3.Cine).

Farbraum und Kurvenverhalten

S-Log3 wird in Kombination mit Sonys Wide-Gamut-Farbräumen eingesetzt:

  • S-Gamut3.Cine – auf eine Film-Post-Pipeline ausgelegter, etwas engerer Farbraum (laut Sony etwas weiter als DCI-P3), praxisgerecht fürs Grading.
  • S-Gamut3 – weiterer, näher am Kamera-Nativfarbraum liegender Gamut für maximale Reserve.

Charakteristisch für S-Log3: Oberhalb von Mittelgrau werden hellere Blenden im Sinne eines Log-Encodings vergleichsweise gleichmäßig auf die verfügbaren Datenwerte verteilt (eine Vereinfachung – die Verteilung ist über den gesamten Bereich nicht exakt linear pro Blende). Dadurch lässt sich ein großer Dynamikumfang auch bei begrenzter Bittiefe unterbringen, allerdings auf Kosten der Datenmenge pro Lichter-Blende. Das Bild wirkt direkt aus der Kamera flau und entsättigt und muss zur Beurteilung über einen Monitor-LUT bzw. Gamma Display Assist (z. B. Rec.709-Anzeige) betrachtet werden.

Referenz-Belichtungswerte

S-Log3 verteilt die wichtigsten Referenzpegel nach Sony-Spezifikation wie folgt:

ReferenzIRE10-Bit Code Value
18 % Mittelgrau41 %420
90 % Weiß61 %598

Entsprechend werden an vielen Sony-Kameras Zebra-Marken auf 41 % (Mittelgrau) und 61 % (Weiß) gesetzt, um S-Log3 korrekt zu belichten.

Einsatz am Set

S-Log3 ist der zentrale Aufzeichnungsmodus von Sonys Cinema-Line- und Alpha-Kameras (u. a. VENICE, FX9, FX6, FX3, FX30, a7S III). Für die Belichtung wird die Kamera idealerweise auf den nativen Base-ISO gestellt, bei dem Rauschverhalten und Latitude am besten sind (modellabhängig, z. B. ISO 800 als unterer Base-ISO bei mehreren Modellen).

Im CineEI-Modus bleibt die S-Log3-Aufzeichnung samt Kurve für jeden eingestellten Exposure Index (EI) unverändert; verändert wird allein die Helligkeit des Monitor-LUTs zur Beurteilung. Hierin liegt der grundsätzliche Unterschied zur ARRI-Logik: Bei ARRI wirkt der EI auf die eigentliche Aufzeichnung – die Log-C-Kurve und damit der Belichtungs-Mittelpunkt der Aufzeichnung verschieben sich pro EI –, während bei Sony die Aufzeichnung unangetastet bleibt und sich nur die Anzeige ändert. Für Beleuchter und Grip ist relevant: Wegen des großen Dynamikumfangs reagiert S-Log3 gutmütig auf hohe Kontraste, weshalb am Set oft moderat über die Sony-Vorgabe hinaus belichtet wird ("rechts belichten"), um Rauschen in den Schatten zu reduzieren. Eine konsistente Lichtsetzung und definierte Referenz-Farbtemperatur erleichtern den späteren LUT-/Grading-Workflow.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich belichte S-Log3 grundsätzlich 1-2 Blenden über, um das Rauschen in den Schatten zu minimieren, und überwache die Belichtung über Waveform-Monitor statt Zebra. Das flache Bild am Monitor erfordert technische LUTs für die Beurteilung, aber die Flexibilität im Grading rechtfertigt den Aufwand – besonders bei Mixed-Lighting-Situationen kann ich Farbtemperaturen später um ±1000K verschieben.

Regisseur

S-Log3 gibt mir die kreative Freiheit, die Bildstimmung vollständig in der Postproduktion zu definieren, ohne am Set durch technische Limitierungen eingeschränkt zu werden. Bei emotionalen Szenen kann ich extreme Kontraste und Farbverschiebungen realisieren, die mit Standard-Gammas unmöglich wären. Die flache Aufzeichnung ermöglicht es, verschiedene Look-Varianten zu testen, ohne nachdrehen zu müssen.

Produzent

S-Log3 bedeutet 30-40% höhere Datenmengen gegenüber Standard-Aufzeichnung und erfordert mindestens einen zusätzlichen Tag für Color-Grading bei 90-minütigen Produktionen. Die Investition von 15.000-25.000€ in professionelle Grading-Software amortisiert sich jedoch durch die Zeitersparnis bei Reshoots, da Belichtungsfehler nachträglich korrigiert werden können. Netflix-Delivery-Standards bevorzugen S-Log3, was internationale Verkäufe erleichtert.

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