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Rectimascop
Kamera · Begriffe

Rectimascop

Murnau AI illustration
flow para roll take

Anamorphes Objektiv-System von Schneider-Kreuznach — produziert 2,35:1-Breitbildformat mit charakteristischen Lens Flares.

Technische Details

Das Rectimascop-System arbeitet mit einer Kompressionsrate von 2:1 horizontal bei unveränderter vertikaler Auflösung. Die Aufnahmeoptiken bestehen aus zylindrischen Linsenelementen, die senkrecht zur Filmebene angeordnet sind. Standard-Brennweiten reichen von 35mm bis 100mm, wobei die 50mm-Version mit einer Lichtstärke von f/2.8 am häufigsten verwendet wurde. Das System erzeugt charakteristische ovale Bokeh-Formen und horizontale Lens-Flares, die durch die anamorphe Kompression entstehen.

Geschichte & Entwicklung

SOM Berthiot führte Rectimascop 1957 als französische Alternative zu den amerikanischen CinemaScope-Objektiven von Bausch & Lomb ein. Das System sollte europäischen Produktionen kostengünstigeren Zugang zu anamorphen Aufnahmen ermöglichen. In den 1960er Jahren wurde es hauptsächlich in französischen und italienischen Produktionen eingesetzt, geriet aber mit dem Aufkommen modernerer anamorpher Systeme wie Panavision in den 1970er Jahren weitgehend in Vergessenheit. Heute werden vintage Rectimascop-Objektive von Sammlern und Cinematographen geschätzt, die den spezifischen Look der 1960er Jahre nachempfinden möchten.

Praxiseinsatz im Film

Rectimascop kam vorwiegend in europäischen Genre-Produktionen der 1960er Jahre zum Einsatz, darunter italienische Westerns und französische Kriminalfilme. Die Objektive erzeugen einen weicheren, weniger scharfen Look als moderne anamorphe Systeme, was dem Bildstil der Epoche entsprach. Typische Anwendung fand das System bei Außenaufnahmen, wo die horizontale Kompression Landschaften besonders dramatisch wirken ließ. Die geringere optische Präzision im Vergleich zu CinemaScope führte zu stärkeren Randverzerrungen, die jedoch oft als stilistisches Element akzeptiert wurden.

Vergleich & Alternativen

Gegenüber CinemaScope bot Rectimascop eine kostengünstigere Alternative mit ähnlichem Seitenverhältnis, jedoch geringerer optischer Qualität. Die französischen Objektive zeigten stärkere chromatische Aberrationen und Vignettierung als ihre amerikanischen Pendants. Moderne anamorphe Systeme wie Panavision Primo oder ARRI Master Anamorphics bieten heute deutlich höhere Schärfe und gleichmäßigere Ausleuchtung. Für zeitgenössische Produktionen, die den Vintage-Look der 1960er Jahre anstreben, werden Rectimascop-Objektive gelegentlich als Spezialeffekt eingesetzt oder digital nachempfunden.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich schätze Rectimascop-Objektive für ihren unverwechselbaren Vintage-Charakter mit den weichen Kanten und den ovalen Bokeh-Kreisen. Die stärkeren optischen Aberrationen erfordern präzisere Lichtführung, da die Randschärfe deutlich nachlässt und ich bei Schwenks die anamorphen Verzerrungen stärker kompensieren muss. Das horizontale Flaring gibt mir aber ein authentisches 60er-Jahre-Gefühl, das mit modernen Objektiven schwer zu erreichen ist.

Regisseur

Rectimascop verleiht meinen Bildern sofort diese nostalgische Eurowestern-Atmosphäre der 60er Jahre, die perfekt zu Period-Pieces passt. Die weichere Bildwiedergabe und die charakteristischen Lens-Flares unterstützen emotionale Momente, ohne zu clean zu wirken. Allerdings muss ich bei der Kadrage aufpassen, da die Randverzerrungen Gesichter in den äußeren Bildbereichen unvorteilhaft verformen können.

Produzent

Rectimascop-Objektive sind heute Raritäten, die hohe Leihgebühren kosten und oft längere Vorbereitungszeiten erfordern, da nicht jeder Kameraassistent mit den Eigenarten vertraut ist. Die geringere Lichtstärke bedeutet höhere Beleuchtungskosten, aber für authentische Period-Looks spare ich mir teure digitale Postproduktion. Das Risiko von Ausfällen ist höher, daher plane ich immer Backup-Optiken ein.

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