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RAW
Kamera · Technik

RAW

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Unverarbeitete Sensordaten die maximale Flexibilität für Postproduktions-Anpassungen bewahren.

Überblick

RAW (englisch für „roh") bezeichnet kein einzelnes Dateiformat, sondern ein Aufzeichnungsprinzip: Die Kamera schreibt die digitalisierten Daten ihres Bildsensors weitgehend ohne kamerainterne Verarbeitung auf das Speichermedium. Im Gegensatz zu fertig „entwickelten" Codecs (etwa ProRes, H.264/H.265 oder XAVC) finden Demosaicing (Debayering), Weißabgleich, Farbwiedergabe, Schärfung und Gamma-Interpretation nicht in der Kamera statt, sondern erst nachgelagert in der Postproduktion.

Die meisten Kinosensoren sind Bayer-Sensoren: Vor jedem Pixel sitzt ein Farbfilter für Rot, Grün oder Blau. Beim RAW-Workflow wird dieses Bayer-Muster direkt gespeichert; die Interpolation zu einem vollfarbigen Bild (Demosaicing) wird auf die Wiedergabe bzw. das Color Grading verschoben und von Software erledigt. Dadurch bleiben die ursprünglich erfassten Sensorinformationen erhalten.

Technische Merkmale

RAW-Material wird üblicherweise mit höherer Bittiefe gespeichert als komprimierte 8-Bit-Distributionsformate. Typische RAW-Implementierungen arbeiten mit 10, 12 oder 14 Bit pro Kanal, was deutlich feinere Helligkeitsabstufungen ermöglicht. Die Sensordaten werden meist mit einer logarithmischen Kennlinie (Log) kodiert, um den großen Dynamikumfang („Belichtungsspielraum") effizient abzubilden.

  • Verlagerte Bildverarbeitung: Demosaicing, Weißabgleich und ISO/Belichtung lassen sich nachträglich frei wählen, da diese Parameter beim Dreh nur als Metadaten mitgeschrieben werden.
  • Hohe Datenraten: RAW ist deutlich datenintensiver als komprimierte Codecs. ARRI gibt für ARRIRAW im 3.4K-Open-Gate-Modus der ALEXA SXT bei 24 fps eine Datenmenge von rund 972,5 GB pro Stunde (unkomprimiert) an.
  • Kompression: RAW kann unkomprimiert sein, viele Implementierungen nutzen jedoch (oft visuell verlustarme) Kompression, etwa Wavelet-Kompression bei REDCODE.
FormatHersteller / HerkunftEigenschaften
ARRIRAWARRIUnkomprimierte bzw. unverarbeitete Sensordaten, 12 Bit Log (ALEV3-Sensoren) bzw. 13 Bit Log (ALEXA 35 / ALEV4), hoher Belichtungsspielraum
REDCODE / R3DREDWavelet-komprimiertes RAW, in mehreren Kompressionsstufen wählbar
Blackmagic RAW (BRAW)Blackmagic Design12 Bit, teilweise kamerainternes Demosaicing, Parameter als Metadaten editierbar
Apple ProRes RAWAppleKomprimiertes RAW-Codec, speichert Bayer-Sensordaten direkt
CinemaDNG (CDNG)offener Standard (Adobe)Häufig Einzelbild-Sequenz, unkomprimiert oder komprimiert

Einsatz am Set und in der Post

RAW gilt als Standard für hochwertige Kino- und Werbeproduktionen, weil es dem Coloristen im Color Grading den größten Spielraum lässt: Über- und unterbelichtete Bereiche lassen sich besser retten, Weißabgleich und Farblook können vollständig neu interpretiert werden. Da der finale Look erst in der Post entsteht, ist am Set ein zuverlässiges Monitoring (z. B. über ein LUT/Viewing-Profil) wichtig, um die spätere Bildwirkung einschätzen zu können.

Der Preis dafür sind hoher Speicherbedarf, schnelle Medien, ein durchdachtes Daten-Management (DIT, Backups) und rechenintensives Debayering in der Postproduktion. Für Produktionen mit knappem Speicher, schnellem Turnaround oder geringerem Grading-Bedarf werden deshalb häufig komprimierte Aufnahmecodecs gewählt.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

RAW gibt mir die Freiheit, bei schwierigen Lichtverhältnissen zu filmen, weil ich Belichtung und Weißabgleich nachträglich um mehrere Stops korrigieren kann, ohne Bildinformationen zu verlieren. Die 14 Stops Dynamikumfang der ALEXA in ARRIRAW lassen mich Details in Schatten und Lichtern bewahren, die bei komprimierten Formaten unwiederbringlich verloren wären. Allerdings muss ich die Karten häufiger wechseln und brauche ein Vielfaches an Speicherplatz.

Regisseur

Mit RAW kann ich in der Postproduktion die visuelle Stimmung meines Films noch fundamental verändern – ein sonniger Tag lässt sich zu einem bedrohlichen, kühlen Szenario umwandeln. Diese Flexibilität gibt mir kreativen Spielraum bis zum finalen Grading, allerdings verlängert sich dadurch der Postproduktionsprozess erheblich. Ich muss früh entscheiden, ob diese Gestaltungsfreiheit die zusätzlichen Kosten rechtfertigt.

Produzent

RAW-Workflows verdreifachen meine Datenkosten und Postproduktionszeit – bei einem 90-Minuten-Film in 4K entstehen schnell 50TB Rohmaterial plus Backups. Das bedeutet teure Raid-Systeme, längere Download-Zeiten für remote Coloristen und höhere DIT-Kosten am Set. Dafür reduziere ich das Risiko von Neuaufnahmen durch falsche Kameraeinstellungen, was bei Schauspielerhonoraren die Mehrkosten rechtfertigen kann.

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