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Essensgeld
Produktion · Begriffe

Essensgeld

Meal Penalty
Murnau AI illustration
second meal hot meal lunch

Zusatzzahlung an die Crew, wenn Dreharbeiten ohne Essenspause über sechs Stunden dauern — im Tarifvertrag festgelegt.

Technische Details

Die Berechnung erfolgt nach dem 6+1-Prinzip: Nach 6 Stunden Arbeitszeit ohne warme Mahlzeit wird die erste Stunde mit 25 Euro vergütet. Ab der 8. Stunde ohne Essen kommen weitere 25 Euro hinzu, danach für jede weitere Stunde. Bei DoPs der Kategorie I steigt der Satz auf 35 Euro pro Stunde. Die Zeit wird ab dem Call bzw. der ersten Arbeitsleistung gemessen, nicht ab dem ersten Kameralauf. Catering-Pausen von mindestens 30 Minuten mit warmer Mahlzeit setzen den Zähler zurück.

Geschichte & Entwicklung

Das Essensgeld wurde 1975 mit dem ersten Tarifvertrag für Filmschaffende in Deutschland eingeführt, damals noch mit 5 DM pro Überschreitung. 1989 erfolgte die Anpassung auf 15 DM, 2001 die Umstellung auf 15 Euro. Die aktuelle Regelung von 25 Euro gilt seit der Tarifrevision 2019. Vorbild waren die amerikanischen "Meal Penalties", die bereits in den 1930er Jahren von der IATSE durchgesetzt wurden, um Produzenten zu disziplinieren.

Praxiseinsatz im Film

Bei aufwendigen Szenen wie der 18-minütigen Steadicam-Sequenz in "Victoria" (2015) fielen erhebliche Essensgelder an, da zwischen den Takes keine regulären Pausen möglich waren. Die 2. Aufnahmeleitung führt detaillierte Protokolle über Call-Zeiten und Mahlzeiten. Bei Nachtdrehs oder Locationwechseln entstehen häufig ungeplante Überschreitungen. Produktionen kalkulieren daher 3-5% des Crew-Budgets für Essensgelder ein. Der psychologische Effekt: Regisseure beenden Szenen oft punktgenau vor der 6-Stunden-Marke.

Vergleich & Alternativen

Das Essensgeld unterscheidet sich von Überstundenzuschlägen, da es unabhängig von der Gesamtarbeitszeit anfällt. Im Gegensatz zu Spesen wird es automatisch fällig, nicht auf Antrag. Bei Fernsehproduktionen gelten teilweise andere Sätze (ARD/ZDF: 20 Euro). Moderne Alternativen sind Craft-Service-Stationen, die durchgehend verfügbar sind, oder flexible Essenszeiten mit Meal-Vouchers. Amerikanische Produktionen setzen auf "Walking Meals" - Catering, das am Set serviert wird, ohne die Dreharbeiten zu unterbrechen.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich plane meine Beleuchtungssetups so, dass komplexe Umbauten vor der 6-Stunden-Marke abgeschlossen sind – nichts ist teurer als eine halbfertige Lichteinrichtung während der Zwangspause. Bei Tageslichtszenen kalkuliere ich bewusst Pufferzeit ein, da sich das Licht während erzwungener Essenspausen dramatisch ändern kann.

Regisseur

Essensgeld zwingt mich zu strafferer Szenenplanung – ich schneide lieber eine Einstellung als dass der Dreh in die Kostenfalle läuft. Gleichzeitig nutze ich die Drohung strategisch: Wenn die Crew weiß, dass nach der sechsten Stunde jede Minute Geld kostet, arbeiten alle konzentrierter und die Takes werden präziser.

Produzent

Bei einem 30-köpfigen Team können ungeplante Essensgelder schnell 750 Euro pro Stunde kosten – das entspricht einem halben Drehtag Budget. Ich lasse die Aufnahmeleitung Meal-Penalties in Echtzeit tracken und kommuniziere die Kosten sofort an die Regie, das diszipliniert den Zeitplan erheblich.

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