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Martini Shot
Set · Kommunikation

Martini Shot

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Letzte Einstellung des Drehtags — danach ist Feierabend und Zeit für einen Drink.

Technische Details

Der Martini Shot folgt dem standardisierten Produktionsablauf: Der Script Supervisor notiert Timecode und Take-Nummer, während der 2nd Assistant Director die Wrap-Zeit in das Daily Production Report einträgt. In der Regel liegt der Martini Shot zwischen 18:00 und 22:00 Uhr bei regulären Drehtagen, bei Nachtdrehs entsprechend zwischen 06:00 und 10:00 Uhr morgens. Der Kameraassistent markiert die Filmrolle oder Speicherkarte mit "MS" für Martini Shot. Bei Multi-Kamera-Setups gilt die letzte Einstellung der Master-Kamera als offizieller Martini Shot.

Geschichte & Entwicklung

Der Begriff etablierte sich ab 1962 in den Hollywood-Studios, als die streng reglementierten Arbeitszeiten der Gewerkschaften IATSE und SAG zu festen Wrap-Zeiten führten. Zuvor sprach man vom "Final Shot" oder "Last Setup". In den 1970er Jahren übernahmen europäische Produktionen den amerikanischen Begriff, während in Deutschland parallel der Ausdruck "Schlusslicht" verwendet wurde. Seit den 1990er Jahren hat sich "Martini Shot" international durchgesetzt und wird auch in digitalen Produktionen beibehalten, obwohl keine physischen Filmrollen mehr gewechselt werden.

Praxiseinsatz im Film

Francis Ford Coppola nutzte bei "Apocalypse Now" (1979) bewusst emotionale Szenen als Martini Shots, um die Schauspieler über Nacht in der gewünschten Stimmung zu halten. Ridley Scott plant bei komplexen Action-Sequenzen einfache Dialog-Einstellungen als Martini Shot, um Verzögerungen durch Technikprobleme zu vermeiden. Der Martini Shot wird strategisch gewählt: Neue oder unerfahrene Schauspieler erhalten selten diese finale Einstellung, da Zeitdruck zu Fehlern führt. Bei Außendrehs richtet sich die Auswahl nach Lichtverhältnissen – Innenaufnahmen werden bevorzugt als letzter Shot geplant, um wetterunabhängig zu bleiben.

Vergleich & Alternativen

Der "Abby Singer Shot" (vorletzte Einstellung) wird nach dem legendären Assistant Director Abby Singer benannt und dient als Vorwarnung für das Team. Im Gegensatz zum spontan entstehenden "Pick-up Shot" (Nachdreh einzelner Einstellungen) wird der Martini Shot täglich geplant. Bei Überstunden spricht man vom "Overtime Martini", der zusätzliche Gewerkschaftszulagen auslöst. In der Serienproduktion ersetzt der "Season Wrap" den letzten Martini Shot einer Staffel, während bei Dokumentarfilmen der Begriff aufgrund flexibler Drehzeiten seltener verwendet wird.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP plane ich den Martini Shot immer als technisch unkomplizierte Einstellung – meist eine einfache Dialog-Szene ohne Kamerabewegung oder Spezialeffekte. Nach 12-14 Stunden Drehzeit ist mein Team müde, und ich will kein Risiko eingehen, dass wir wegen eines technischen Problems in die Overtime rutschen. Die Beleuchtung halte ich bewusst simpel, oft nur mit bereits stehendem Equipment.

Regisseur

Ich nutze den Martini Shot strategisch für emotionale Wendepunkte oder ruhige Charaktermomente, weil die Crew dann besonders fokussiert ist – alle wollen nach Hause, also herrscht absolute Konzentration. Bei schwierigen Schauspielern plane ich bewusst keine wichtigen Szenen als letzten Shot, da der Zeitdruck zu schlechten Takes führt. Manchmal verschiebe ich komplexe Dialoge auf den nächsten Tag, wenn ich merke, dass die Energie fehlt.

Produzent

Der Martini Shot ist mein täglich wichtigster Kostenfaktor – jede Minute Verzögerung kostet bei einer 80-köpfigen Crew etwa 400-600 Euro in Überstundenzuschlägen. Ich achte darauf, dass der 1st AD spätestens 30 Minuten vor der geplanten Wrap-Zeit mit einfachen Einstellungen beginnt, um pünktlich zu enden. Bei Außendrehs kalkuliere ich grundsätzlich 15% Zeitpuffer für wetterbedingten Verzögerungen ein.

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