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Kelvin
Licht · Technik

Kelvin

Murnau AI illustration
daylight 5600k tungsten 3200k 1 2 ctb 1 4 ctb ctb full ctb 1 2 cto

Maßeinheit für Farbtemperatur des Lichts — 3200K entspricht Kunstlicht, 5600K Tageslicht.

Technische Details

Tungsten-Glühlampen erzeugen 3.200 K, HMI-Scheinwerfer 5.600 K, entsprechend dem Tageslicht zur Mittagszeit. LED-Panels bieten variable Farbtemperaturen zwischen 2.700 K und 6.500 K mit einer Farbwiedergabe (CRI) von mindestens 95. Kerzenlicht misst 1.900 K, Sonnenaufgang 2.000 K, bewölkter Himmel 6.000-7.000 K, offener Schatten bis zu 10.000 K. Moderne Kameras arbeiten mit konfigurierbaren Weißabgleich-Presets: Tungsten (3.200 K), Daylight (5.600 K) und Custom-Einstellungen zwischen 2.000-10.000 K in 100-K-Schritten.

Geschichte & Entwicklung

Lord Kelvin entwickelte die absolute Temperaturskala 1848 basierend auf den Gasgesetzen. Die Filmindustrie übernahm das Kelvin-System in den 1930er Jahren zur Standardisierung von Kunstlicht und Filmemulsionen. Kodak führte 1935 die ersten tageslichtbalancierten Filme ein, gefolgt von kunstlichtbalancierten Emulsionen für 3.200 K. Mit der digitalen Revolution seit 2000 ermöglichen Kameras flexiblen Weißabgleich in der Post-Production, während LED-Technologie ab 2010 stufenlos variable Farbtemperaturen am Set realisiert.

Praxiseinsatz im Film

Ridley Scott nutzte in "Blade Runner" (1982) gemischte Lichttemperaturen - warme 2.700 K Neonröhren gegen kühle 5.600 K HMIs für dystopische Stimmung. Roger Deakins balancierte in "1917" (2019) 3.200 K Kerzenlicht mit 5.600 K Tageslicht durch Farbfolien (CTO/CTB). DoPs verwenden Color-Temperature-Meter wie das Sekonic C-800 für präzise Messungen. Mixed-Lighting-Setups erfordern Farbkonvertierung durch Orange (85, 1/4 CTO) oder Blaue Filter (80A, CTB). LED-Panels wie ARRI SkyPanel erlauben Live-Adjustierung zwischen 2.700-10.000 K ohne Filterwechsel.

Vergleich & Alternativen

Kelvin unterscheidet sich vom Mired-System (Micro Reciprocal Degrees), das Farbtemperatur-Differenzen linear darstellt. Ein Mired entspricht 1.000.000 geteilt durch Kelvin-Wert. RGB-Systeme in LEDs simulieren Kelvin-Werte durch Mischverhältnisse roter, grüner und blauer Dioden, erreichen jedoch selten die spektrale Reinheit echter Temperaturstrahler. Plasma-Beleuchtung bietet kontinuierliche Spektren wie Glühlampen, bleibt aber kostenintensiv. Moderne Workflow-Programme wie DaVinci Resolve korrigieren Farbtemperatur-Abweichungen digital, können jedoch gemischte Lichtquellen im selben Frame nur begrenzt ausgleichen.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich messe jede Lichtquelle mit dem Sekonic C-800 und gleiche alles auf eine Zieltemperatur ab - meist 3.200K für Innenräume oder 5.600K für Tageslicht-Setups. Bei Mixed-Lighting setze ich LEDs mit variabler Kelvin-Zahl ein, um nachträglich nicht in der Farbkorrektur kämpfen zu müssen. Ein falscher Weißabgleich kostet mich Bildqualität und Dynamikumfang.

Regisseur

Warme 2.700K schaffen Intimität und Nostalgie, während kalte 6.000K Isolation oder Zukunft vermitteln - ich nutze diese emotionale Wirkung gezielt für die Charakterentwicklung. Der Kelvin-Verlauf durch eine Szene erzählt nonverbal mit: von warmem Abendsonnenlicht zu kalten Neonröhren spiegelt den inneren Zustand der Figuren. Farbtemperatur ist für mich ein unsichtbarer Erzähler.

Produzent

LED-Panels mit variabler Kelvin-Einstellung sparen mir täglich 2-3 Stunden Setup-Zeit, da keine Filterfolien gewechselt werden müssen - das bedeutet weniger Drehtage. Bei Location-Scouts prüfe ich die vorhandenen Lichtquellen: Mischung aus Neon (4.000K) und Glühlampen (2.700K) erfordert aufwendige Angleichung oder kompletten Austausch der praktischen Beleuchtung.

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