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Farbfolien-Bogen
Licht · Equipment

Farbfolien-Bogen

Gel Sheet
Murnau AI illustration
color temperature flow roll take

Vorgeschnittene Farbfolien-Bögen in Standardformaten — meist 25x30cm oder 50x60cm für den direkten Einsatz am Scheinwerfer.

Technische Details

Moderne Farbfolien erreichen Temperaturfestigkeiten bis 232°C (CTB 201) und weisen definierte Transmissionswerte auf: Lee 204 „Full CT Orange" transmittiert beispielsweise 36% des eintreffenden Lichts bei einer Farbtemperaturkonversion von 5600K auf 3200K. Die Folien werden nach dem Lee-, Rosco- oder GAM-Farbsystem nummeriert, wobei jede Nummer einem exakten Farbwert entspricht. Diffusions-Gels wie Lee 250 „Half White Diffusion" streuen das Licht mit einem Halbwinkel von 30°, während ND-Filter (Neutral Density) in Abstufungen von 0,3 (1 Blende) bis 2,4 (8 Blenden) verfügbar sind.

Geschichte & Entwicklung

Die ersten Gelatine-Filter wurden 1884 von Frederick Ives für die Fotografie entwickelt. Kodak führte 1930 die ersten kommerziellen Wratten-Filter aus gefärbter Gelatine ein. Lee Filters revolutionierte 1967 die Branche mit der Einführung von Polyester-basierten Folien, die deutlich hitzebeständiger waren. Rosco folgte 1974 mit dem Roscolux-System. Die Digitalisierung brachte ab 2000 präzisere Spektralmessungen und LED-optimierte Folien wie die Lee „Zircon"-Serie (2018).

Praxiseinsatz im Film

DoP Roger Deakins nutzte in „Blade Runner 2049" (2017) massive Orange-Gels (Lee 204) für die Vegas-Sequenzen, um die dystopische Atmosphäre zu verstärken. Für Nachtaufnahmen werden CTB-Folien (Color Temperature Blue) wie Lee 201 eingesetzt, um Tungsten-Licht auf Tageslicht-Balance zu bringen. In der TV-Serie „Euphoria" verwendete DoP Marcell Rév magentafarbene Gels (Lee 328) für emotionale Höhepunkte. Diffusions-Gels werden standardmäßig bei Close-ups eingesetzt: Lee 250 für subtile Hautglättung, Lee 216 für stärkere Weichzeichnung.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zu fest montierten Glasfiltern lassen sich Gel-Folien flexibel wechseln und kosten nur 8-15 Euro pro Bogen. LED-Panels mit RGB-Steuerung wie der Arri SkyPanel ersetzen zunehmend Gels für Farbeffekte, erreichen aber nicht die Nuancierung von 300+ verfügbaren Gel-Farben. Dichroitische Glasfilter bieten höhere Präzision und Haltbarkeit, kosten jedoch 200-500 Euro pro Filter. Für Großproduktionen werden Gels oft durch programmierbare LED-Arrays ersetzt, während Low-Budget-Produktionen weiterhin auf die kostengünstige Gel-Technik setzen.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP verwende ich CTB/CTO-Gels täglich für die Farbtemperatur-Anpassung zwischen verschiedenen Lichtquellen – ohne sie wäre ein konsistenter Look unmöglich. Bei LED-Panels nutze ich trotzdem oft zusätzlich Minus-Green-Gels (Lee minus green), weil die interne Farbkorrektur der LEDs nicht immer perfekt ist. Diffusion-Gels wie Lee 250 oder 216 sind meine Standard-Werkzeuge für Hautschmeichelung, wobei ich die Stärke je nach Alter und Geschlecht der Darsteller wähle.

Regisseur

Ich setze Farbgels gezielt als emotionales Werkzeug ein – warme Amber-Töne (Lee 204) für Geborgenheit, kühles Stahl-Blau (Lee 200) für Isolation oder Bedrohung. In Gesprächsszenen lasse ich oft eine Figur in warmem, die andere in kaltem Licht stehen, um Machtverhältnisse oder emotionale Distanz zu visualisieren. Die Farbpsychologie funktioniert unterbewusst beim Zuschauer und verstärkt die narrative Aussage ohne zusätzlichen Dialog.

Produzent

Gels kosten pro Drehtag etwa 50-150 Euro je nach Setup, sind aber deutlich günstiger als LED-Panels mit vergleichbarer Farbflexibilität. Ich kalkuliere 20% Verschleiß bei Tungsten-Scheinwerfern ein, da die Hitze die Folien schneller zerstört. Bei Außendrehs mit wechselnden Lichtverhältnissen spart der Gel-Einsatz oft 2-3 Stunden Setup-Zeit im Vergleich zu komplexen LED-Programmierungen.

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