Filmlexikon.
Unterstützen
Focus Bug
Kamera · Begriffe

Focus Bug

Murnau AI illustration
flow focus para roll take

Kleiner drahtloser Schärfemotor am Objektiv — ermöglicht präzise Fernsteuerung der Fokussierung über Funkhand.

Technische Details

Focus Bugs arbeiten mit Servomotoren, die Drehmomente von 0,8-2,4 Nm erzeugen und Geschwindigkeiten von 0,01-360 Grad/Sekunde ermöglichen. Das Preston HU3 Wireless System erreicht beispielsweise eine Latenz von unter 8 Millisekunden bei einer Funkreichweite von bis zu 1000 Metern. Die Montage erfolgt über standardisierte 15mm-Stangen oder direkt über Lens-Support-Systeme. Moderne Varianten wie der Teradek RT integrieren digitale Encoder mit 16-Bit-Auflösung für reproduzierbare Fokuspunkte.

Geschichte & Entwicklung

1987 entwickelte Preston Cinema Systems den ersten kommerziellen Focus Bug für die Filmproduktion "Empire of the Sun". Die analogen Systeme der 1990er arbeiteten noch mit Potentiometern und erreichten lediglich 8-Bit-Auflösung. 2003 führte Cinematography Electronics den CineTape ein, der Ultraschall-Entfernungsmessung mit Focus Bugs verknüpfte. Seit 2010 dominieren digitale Systeme mit Tablet-Integration und GPS-gestützter Kalibrierung den Markt.

Praxiseinsatz im Film

Bei "Blade Runner 2049" verwendete Roger Deakins RT Motion-Systeme für komplexe Rackfocus-Bewegungen zwischen Vorder- und Hintergrund. Focus Bugs ermöglichen Rack-Focus-Geschwindigkeiten von 0,3 Sekunden zwischen Fokuspunkten bei 85mm-Objektiven. Steadicam-Operatoren nutzen kabellose Systeme, da traditionelle Follow-Focus-Räder mechanisch unzugänglich sind. In Kombination mit Zoom-Motoren entstehen präzise Parfocal-Bewegungen, die manuell unmöglich wären.

Vergleich & Alternativen

Traditionelle Follow-Focus-Systeme bieten haptisches Feedback, erfordern jedoch direkten Zugang zum Objektiv. Wireless Follow Focus (WFF) ersetzt zunehmend kabelgebundene Focus Bugs, während Force-Feedback-Systeme wie das Preston Light Ranger die Vorteile beider Welten kombinieren. Autofokus-Systeme moderner Kameras erreichen zwar höhere Geschwindigkeiten, bieten jedoch nicht die narrative Kontrolle manueller Focus-Pulls für cinematographische Bildsprache.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich verwende Focus Bugs hauptsächlich bei Gimbal-Shots und Kran-Fahrten, wo ich physisch keinen Zugang zum Objektiv habe. Die Präzision moderner Systeme erlaubt mir reproduzierbare Focus-Pulls zwischen exakt definierten Schärfepunkten, besonders bei Zeitlupen-Aufnahmen mit langen Brennweiten über 135mm.

Regisseur

Focus Bugs geben mir die Kontrolle über die emotionale Führung des Zuschauers durch gezielte Schärfeverlagerungen. Ich kann während der Probe exakte Timing-Punkte für Rack-Focus-Bewegungen festlegen, die das Publikum von einem Charakter zum anderen lenken und dabei narrative Wendepunkte verstärken.

Produzent

Die Anschaffungskosten von 8.000-15.000 Euro für ein komplettes Wireless-System amortisieren sich durch verkürzte Drehtage, da komplexe Fokus-Fahrten ohne mehrere Takes gelingen. Bei Kran- und Drohnen-Aufnahmen eliminieren sie die Notwendigkeit zusätzlicher Kamera-Assistenten, was Personalkosten reduziert.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Wissen testen

Quiz

1. Was beschreibt „Focus Bug" am besten?

2. Zu welchem Department gehört „Focus Bug"?

3. Wie viele verschiedene Fachperspektiven bietet dieser Eintrag?

Fehler melden
Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Produktionen kalkulieren, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist Teil des Filmfarm-Ökosystems — neben Kalkulation (FilmBalance), Branchen-Magazin (FilmCircus) und Crew-Vernetzung (FilmCall, CrewMesh). Eine gemeinsame Begriffswelt für die ganze Produktion.

FilmFarm FilmRadarBald verfügbarFilmPulseBald verfügbarFilmNumbersBald verfügbarFilmCapitalBald verfügbarFilmLabBald verfügbarFilmBalanceBald verfügbarFilmCircusBald verfügbar