Filmlexikon.
Unterstützen
Schaumstoffplatte
Licht · Begriffe

Schaumstoffplatte

Foam Core
Murnau AI illustration
color temperature flow roll take

Leichte Schaumstoffplatte zwischen zwei Kartonschichten — wird als Reflektor, Abschatter oder zur Lichtformung verwendet.

Technische Details

Handelsübliche Schaumstoffplatten bestehen aus einem 5 mm dicken Polystyrol-Kern mit 0,2 mm starker Papierkaschierung. Die weiße Oberfläche reflektiert 85-90% des auftreffenden Lichts mit einem Reflexionswinkel von nahezu 180°, wodurch weiches, diffuses Licht entsteht. Schwarze Varianten absorbieren 95% des Lichts. Professionelle Ausführungen verfügen über eine matte Vinylbeschichtung, die kratzfester ist als Papier. Das Gewicht liegt bei etwa 280g pro Quadratmeter.

Geschichte & Entwicklung

Foam Core wurde 1957 von der Firma Monsanto für Architekturmodelle entwickelt und fand ab 1972 durch Gaffer Joe Dunton am Set von "Cabaret" erstmals professionelle Filmanwendung. Der Durchbruch kam 1975 mit "Jaws", wo die Platten als kostengünstige Alternative zu schweren Sperrholz-Reflektoren verwendet wurden. Seit den 1980er Jahren gehören sie zur Standardausrüstung jeder Beleuchtungsabteilung.

Praxiseinsatz im Film

Bei "Blade Runner" (1982) nutzte Jordan Cronenweth hunderte von Foam Core-Platten, um das charakteristische Rim-Light der Replikanten zu erzeugen. Die Platten werden typischerweise mit C-Stands und Superclamps positioniert oder von Assistenten als Handreflektoren gehalten. Besonders bei Nahaufnahmen füllen sie Schatten im Gesicht auf, ohne harte Kanten zu erzeugen. Bei Außenaufnahmen dienen sie als Bounce für Sonnenlicht oder HMI-Scheinwerfer.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zu Silber-Reflektoren erzeugen Schaumstoffplatten keine Hotspots und sind günstiger als professionelle Textil-Reflektoren (Flexfill). LED-Panel haben sie teilweise als Aufheller ersetzt, bieten aber nicht dieselbe natürliche Lichtqualität. Moderne Alternativen sind zusammenklappbare Reflektoren mit Weißgold-Beschichtung oder digital steuerbare LED-Matten, die jedoch das 10-20fache kosten.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich verwende Foam Core hauptsächlich zum Aufhellen von Schatten bei Gesichtsaufnahmen – eine 70x100cm Platte links von der Kamera gibt mir das perfekte Fill-Light ohne Doppelschatten. Bei Low-Key-Szenen nutze ich die schwarze Seite als Flag, um unerwünschte Reflexionen zu eliminieren und den Kontrast zu verstärken.

Regisseur

Mit Schaumstoffplatten kann ich die Stimmung einer Szene subtil steuern – weiches Bouncing für intime Momente, harte Schatten ohne Reflektor für dramatische Konflikte. Besonders bei Dialogen lasse ich den Fokuspuller kleine Platten halten, um die Augen der Schauspieler zum Leuchten zu bringen, ohne dass es künstlich wirkt.

Produzent

Eine Foam Core-Platte kostet 8-15 Euro und ersetzt Equipment im Wert von mehreren hundert Euro – das ist pure Kosteneffizienz. Wir kaufen immer 20-30 Stück pro Produktion, da sie bei Transport leicht knicken, aber selbst mit Verschleiß bleiben die Beleuchtungskosten minimal im Vergleich zu gemieteten Reflektoren.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Wissen testen

Quiz

1. Zu welchem Department gehört „Schaumstoffplatte"?

2. Wie viele verschiedene Fachperspektiven bietet dieser Eintrag?

Fehler melden
Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Produktionen kalkulieren, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist Teil des Filmfarm-Ökosystems — neben Kalkulation (FilmBalance), Branchen-Magazin (FilmCircus) und Crew-Vernetzung (FilmCall, CrewMesh). Eine gemeinsame Begriffswelt für die ganze Produktion.

FilmFarm FilmRadarBald verfügbarFilmPulseBald verfügbarFilmNumbersBald verfügbarFilmCapitalBald verfügbarFilmLabBald verfügbarFilmBalanceBald verfügbarFilmCircusBald verfügbar