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Verteilerkasten
Licht · Begriffe

Verteilerkasten

Distro Box
Murnau AI illustration
color temperature flow roll take

Stromverteiler mit mehreren CEE-Ausgängen zur sicheren Verteilung der Netzspannung an verschiedene Lichtgeräte am Set.

Definition

Der Verteilerkasten ist eine mobile Stromverteilungseinheit, die den Hauptstromeingang einer Filmproduktion in mehrere gesicherte Ausgänge aufteilt. Standard-Verteilerkästen wandeln 32A oder 63A CEE-Anschlüsse (380V/16A bzw. 380V/32A) in 6-12 einzelne Schuko- oder CEE-Ausgänge um. Die Bezeichnung leitet sich vom englischen "Distribution Box" ab, das in der Elektrotechnik bereits seit den 1920er Jahren verwendet wird.

Technische Details

Professionelle Film-Verteilerkästen arbeiten mit 400V Drehstrom und verfügen über individuelle 16A-Sicherungsautomaten pro Ausgang. Typische Konfigurationen sind 32A-Input mit 6x16A-Output oder 63A-Input mit 12x16A-Output. Der interne Aufbau besteht aus einem Hauptschalter, RCD-Fehlerstromschutzschaltern (30mA) und einzelnen Leitungsschutzschaltern. Gehäuse bestehen aus schlagfestem ABS-Kunststoff oder Aluminiumguss mit IP44-Schutzgrad. Gewichte rangieren zwischen 15-35kg je nach Ausstattung.

Untertypen umfassen Single-Phase-Distros (230V), Three-Phase-Distros (400V) und Hybrid-Versionen mit gemischten Ausgängen. Spezialvarianten für LED-Technik arbeiten mit reduzierten Amperezahlen, während HMI-Distros verstärkte 125A-Ausgänge bieten.

Geschichte & Entwicklung

Die ersten Film-Verteilerkästen entstanden in den 1950er Jahren in Hollywood-Studios als fest installierte Panels. Mobile Versionen entwickelten sich ab 1965 mit dem Aufkommen der New-Hollywood-Bewegung und Außendrehs. Der deutsche Hersteller Hauser Elektrotechnik präsentierte 1978 den ersten europäischen Standard-Filmverteiler mit 32A-Eingängen.

Die Integration von RCD-Schutzschaltern erfolgte ab 1985 nach verschärften Sicherheitsbestimmungen. Digitale Monitoring-Systeme mit Lastanzeigen etablierten sich seit 2010, während moderne Smart-Distros seit 2018 Fernüberwachung via App ermöglichen.

Praxiseinsatz im Film

Bei "Blade Runner 2049" (2017) verwendete DoP Roger Deakins 18 parallele Verteilerkästen für die komplexe LED-Wandbeleuchtung der Replikanten-Szenen. Standard-Workflows sehen einen Hauptverteiler am Generator vor, von dem Unterverteiler zu einzelnen Lichtgruppen führen.

Verteilerkästen reduzieren Kabelwege um durchschnittlich 40% und ermöglichen selektives Schalten einzelner Lichter ohne Generatorgang. Nachteile sind zusätzliche Transportlogistik und potentielle Ausfallpunkte bei defekten Sicherungen.

Vergleich & Alternativen

Abgrenzung zu einfachen Mehrfachsteckdosen durch professionelle Sicherheitstechnik und höhere Strombelastbarkeit. Spider-Boxen fungieren als kleinere, mobile Alternative mit 4-6 Ausgängen für Location-Drehs.

Moderne DMX-gesteuerte Distros ersetzen zunehmend manuelle Versionen, da sie Remote-Schaltung einzelner Kreise ermöglichen. Für LED-lastiges Equipment genügen oft kompaktere 16A-Distros statt klassischer 32A-Versionen.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Ich plane die Verteilerplatzierung bereits beim Tech Scout, da sie meine Lichtverteilung bestimmt und Kabelwege minimiert. Smart-Distros mit Lastanzeigen helfen mir, Überlastungen zu vermeiden und bei spontanen Lichtänderungen schnell einzelne Kreise zu schalten. Die Positionierung beeinflusst direkt meine Flexibilität beim Umsetzen zwischen verschiedenen Kamerastandpunkten.

Regisseur

Durch strategisch platzierte Verteilerkästen kann ich spontane Lichtstimmungen realisieren, ohne dass mein Gaffer zum Generator laufen muss - entscheidend für die Arbeitsgeschwindigkeit bei emotionalen Szenen. Die Möglichkeit, einzelne Lichtkreise selektiv zu dimmen, gibt mir präzise Kontrolle über die visuelle Dramaturgie und Atmosphäre während der Aufnahme.

Produzent

Pro Drehtag rechne ich 180-250€ für Verteilerkasten-Miete inklusive Transport, was sich durch 30% kürzere Umrüstzeiten amortisiert. Die Investition in hochwertige Distros reduziert Ausfallrisiken und Versicherungsprämien, während Smart-Systeme Überstunden durch effizientere Workflows einsparen. Bei Außendrehs plane ich einen Reserve-Verteiler ein, um teure Produktionsstopps zu vermeiden.

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