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Koma
Kamera · Begriffe

Koma

Coma
Murnau AI illustration
flow para roll take

Linsenfehler bei dem punktförmige Lichtquellen am Bildrand kometenschweif-ähnlich verzerrt werden.

Technische Details

Koma tritt hauptsächlich bei Objektiven mit großer Blendenöffnung (f/1.4 bis f/2.8) und in den Bildecken auf, wo der Abstand zur optischen Achse am größten ist. Die Stärke des Fehlers wird durch den Koma-Koeffizienten (in Wellenlängen) gemessen - Werte unter 0,1λ gelten als akzeptabel. Sagittales und meridionales Koma unterscheiden sich in ihrer Orientierung: Sagittales Koma zeigt radial nach außen, meridionales tangential zum Bildkreis. Moderne Objektive reduzieren Koma durch asphärische Linsenelemente und spezielle Glassorten mit anomaler Teildispersion.

Geschichte & Entwicklung

Ernst Abbe beschrieb die Koma-Aberration erstmals 1873 wissenschaftlich und entwickelte die Sine-Bedingung zur Korrektur. Paul Rudolph konstruierte 1896 das erste weitgehend koma-korrigierte Objektiv, das Zeiss Planar. In den 1950er Jahren ermöglichten neue Glastypen von Schott und Ohara verbesserte Korrekturen. Seit den 1980er Jahren reduzieren computergestützte Objektivberechnungen und asphärische Elemente Koma erheblich - moderne Cine-Objektive wie die Zeiss Master Prime Serie erreichen nahezu koma-freie Abbildung auch bei Offenblende.

Praxiseinsatz im Film

Koma beeinflusst besonders Nachtaufnahmen und Low-Light-Szenen, wo große Blendenöffnungen erforderlich sind. Roger Deakins nutzte bewusst leichte Koma-Effekte in "Blade Runner 2049" für atmosphärische Lichtquellen. Bei Steadicam-Fahrten verstärkt sich Koma durch die kontinuierliche Bewegung - hier kompensieren Objektive wie das Angenieux Optimo 24-290mm durch spezielle Koma-Korrektur. In der digitalen Nachbearbeitung lässt sich Koma teilweise durch Lens-Correction-Tools in DaVinci Resolve oder Nuke korrigieren, jedoch auf Kosten der Bildschärfe.

Vergleich & Alternativen

Koma unterscheidet sich von sphärischer Aberration durch die asymmetrische Form und das Auftreten nur bei achsenfernen Punkten. Während Astigmatismus punktförmige Lichtquellen zu Strichen verzerrt, erzeugt Koma tropfenförmige Verzerrungen. Moderne Master-Anamorphic-Objektive zeigen deutlich weniger Koma als Vintage-Anamorphics der 1960er Jahre. Alternative Korrekturen bieten Field-Flattener-Systeme oder der Einsatz kleinerer Bildsensoren bei gleichem Bildwinkel, wodurch nur der koma-arme zentrale Objektivbereich genutzt wird.

Aus den Gewerken

Perspektiven

Kameramann

Als DoP achte ich besonders bei Nachtaufnahmen mit punktförmigen Lichtquellen auf Koma - die charakteristischen "Kometen" in den Bildecken können atmosphärisch wirken oder störend sein, je nach gewünschter Bildsprache. Bei kritischen Einstellungen teste ich verschiedene Blendenstufen, da bereits ein Stop Abblenden von f/1.4 auf f/2.0 die Koma-Artefakte erheblich reduziert, ohne die Low-Light-Performance zu stark zu beeinträchtigen.

Regisseur

Ich setze Koma gezielt als Stilmittel ein - die weichen, asymmetrischen Lichtflecken verstärken die Traumhaftigkeit romantischer Szenen oder die Desorientierung in Thriller-Sequenzen. Besonders bei Autofahrten durch nächtliche Städte erzeugen die "verschmierten" Straßenlampen eine kinematische Unschärfe, die das Publikum emotional in die Geschwindigkeit und den Rausch der Szene hineinzieht.

Produzent

Koma-Korrekturen durch hochwertige Master-Prime-Objektive kosten 2.000-4.000 Euro Tagesmiete extra gegenüber Standard-Cine-Objektiven, rentieren sich aber bei anspruchsvollen Nachtaufnahmen durch reduzierte Nachbearbeitungszeiten. Die Post-Production-Korrektur von Koma-Artefakten dauert 2-3 Stunden pro Einstellung und kostet etwa 800-1.200 Euro pro VFX-Tag - oft günstiger als teure Optiken zu mieten.

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