Klassifizierung von Außendrehs nach Lichtsituation — Wetter I (sonnig, hart), II (bewölkt, diffus), III (grau, regnerisch). Bestimmt Filterplan und Beleuchtungskonzept.
Am Set teilen wir die natürliche Lichtsituation in drei Wetter-Kategorien ein — nicht weil wir meteorologisch präzise sein wollen, sondern weil jede Konstellation völlig unterschiedliche Konsequenzen für Filterung, Beleuchtung und Farbtemperatur hat. Diese Klassifizierung bestimmt deinen gesamten Filterplan und darüber, ob du zusätzliche Lampen brauchst oder nicht.
Wetter I ist die harte Sonne — wenig bis keine Bewölkung, klare Schatten, hoher Kontrast zwischen beleuchteten und schattierten Flächen. Der Himmel wirkt dunkelblau, die Farbtemperatur liegt typischerweise zwischen 5500K und 6000K. Du brauchst hier aggressive ND-Filter, um die Blende offen halten zu können, und ein polarisierendes Element hilft gegen Spiegelungen. Für Gesichter brauchst du oft Fill-Light oder reflektierende Flächen, um die Schatten unter den Augen zu brechen. Das klassische Problem: Die Sonne kommt von schräg oben, wirft schwarze Löcher unter die Augenlider. Ein frisch bespanntes Grifflon oder silbernes Bounce-Board wird hier dein bester Freund.
Wetter II ist die dünne Bewölkung — diffuses Licht, aber noch definierbare Richtung, der Himmel graubleich mit Sonnenscheibe sichtbar. Das ist eigentlich der Idealzustand: Du hast natürliche Fill-Komponenten, der Kontrast ist kontrollierbar, und die Farbtemperatur liegt um 6500K. Du brauchst weniger oder gar keine zusätzliche Beleuchtung. Der Filterplan ist moderat — oft reicht ein ND 0.6 oder 0.9. Die Schatten haben noch Zeichnung, wirken aber nicht brutal. Viele DoPs wünschen sich dauerhaft Wetter II.
Wetter III ist der durchgehend graue Himmel — keine erkennbare Sonne, flaches, diffuses Allover-Licht, praktisch keine Schatten. Das Licht kommt aus allen Richtungen gleichzeitig, die Farbtemperatur zieht kälter (6800K bis 7200K, oft mit Blauanteil). Für farblich warme Szenen brauchst du dann CTB-Filter oder du justierst im Schnitt nach. Der Vorteil: Keine Nachführung der Sonne, konsistente Ausleuchtung über Stunden. Der Nachteil: Das Bild wirkt flach ohne künstliches Key-Light. Fast immer setzt du hier eine Softbox oder einen Scheinwerfer ein, um wieder Modellierung ins Gesicht zu bringen.
Die Wetter-Klassifizierung ist kein Dogma — sie ist ein Werkzeug zur schnellen Kommunikation mit dem Gaffer, zum Durchplanen der Filtersets und zur Abschätzung des Beleuchtungsbudgets. Auf einem Tag mit wechselhaften Bedingungen kann dein Setup dreimal in vier Stunden kippen. Der Scouting-Besuch ist deshalb nicht optional: Du musst die Schattenrichtung kennen, wissen, wie lange die Sonne wirklich scheint und ob der Wind Bäume schüttelt, die dein Wetter II zur III machen.