Optisches Messsystem, das Brennweite und Blende von Objektiven in Echtzeit erfasst und an Follow-Focus-Systeme überträgt. Ermöglicht präzise Schärfenachführung bei Objektivwechsel während der Aufnahme.
Überblick
True Lens Services (TLS) ist kein einzelnes Gerät oder eine Lampe, sondern ein britischer Spezialbetrieb für Objektivtechnik mit Sitz in Barwell, Leicestershire. Das Unternehmen ist international für drei Tätigkeitsfelder bekannt: das Rehousing (Umfassen) vintager Foto- und Kinoobjektive in robuste, kinotaugliche Fassungen, das Servicen und Reparieren von Film-, Broadcast- und Projektionsobjektiven sowie die Eigenfertigung proprietärer Optiken (u. a. die hauseigene Vega-Reihe).
Der Kern des Angebots besteht darin, charaktervolle Altobjektive optisch zu erhalten, sie aber mechanisch auf den Stand moderner Kinoproduktion zu bringen: präziser Schärfezug, standardisierte Zahnkränze, einheitliche Frontdurchmesser und produktionstaugliche Mounts.
Rehousing-Verfahren
Beim Rehousing wird die Originaloptik in ein neu gefertigtes Gehäuse aus hochwertiger Aluminiumlegierung und Edelstahl überführt. Die Bauteile werden laut TLS bis auf die Lager im eigenen Haus gefertigt. Mechanische Schwerpunkte sind:
- Schärfemechanik: nichtlineares, nockengesteuertes Design mit knapp 300 Grad Drehweg, das die Schärfemarken gleichmäßiger verteilt als die enge Originalskala der Fotooptiken.
- Spielfreiheit: ein gefederter Follower mit angeschrägten Flanken eliminiert Spiel (Backlash) und Bildversatz beim Schärfeziehen.
- Anschläge: Edelstahlanschläge für Schärfe und Blende.
- Standardisierung: einheitliche Zahnkranz-Positionen für Schärfe und Blende relativ zur Mount-Auflage, damit Follow-Focus- und Motorensysteme passen.
Typisches Lieferprogramm
TLS fasst klassische Kinoobjektive ebenso für den Kinoeinsatz um wie Fotooptiken. Beispiele aus dem Programm:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Klassische Kinooptiken | Cooke Speed Panchro, Bausch & Lomb Super Baltar, Kowa Cine Prominar, Lomo Anamorphic |
| Foto-/Standbildoptiken (kino-konvertiert) | Canon K35, Canon FD, Leica R, Zeiss Contax/Super Speed, Nikon AI/AI-S, Olympus OM, Petzval, Mamiya 645 |
Typische standardisierte Merkmale: PL- und LPL-Mount mit per Shims justierbarem Auflagemaß, Frontdurchmesser überwiegend 110 mm (Sonderobjektive teils 125 oder 143 mm).
Einsatz am Set
Für die Kameraabteilung bedeutet ein TLS-Rehousing, dass ein optisch reizvolles Altglas mit dem charakteristischen „Look“ erhalten bleibt, aber wie ein modernes Kinoobjektiv bedient werden kann: langer, repeatierbarer Schärfezug, einheitliche Zahnkränze für Motoren und Follow Focus, gleichbleibender Frontdurchmesser für Matteboxen sowie ein belastbarer PL/LPL-Mount. TLS-Konvertierungen sind als Mietsätze bei Rental-Häusern verbreitet; bekannte Referenzen sind unter anderem die Cooke-Speed-Panchro-Konvertierung für Mr. Turner und der Einsatz rehousedter Petzval-Optiken in Poor Things.