Ein Treatment ist eine ausführliche Prosa-Erzählung der Filmhandlung – detaillierter als ein Exposé, aber noch kein Drehbuch mit Dialogen.
Technische Details
Ein Standard-Treatment umfasst 8-15 Seiten bei Spielfilmen, 3-5 Seiten bei Kurzfilmen und bis zu 25 Seiten bei komplexen Stoffen. Das Dokument folgt einer dreiseitigen Formatierung (Courier 12pt, doppelter Zeilenabstand) mit Szenenköpfen, die Zeit und Ort definieren. Treatments gliedern sich in Setup (25%), Konfrontation (50%) und Auflösung (25%), wobei jede Wendung (Plot Point) explizit ausformuliert wird. Charakterbeschreibungen erfolgen beim ersten Auftreten in Großbuchstaben, Kameraanweisungen bleiben auf atmosphärische Beschreibungen beschränkt.
Geschichte & Entwicklung
Irving Thalberg führte 1924 bei MGM das Treatment als verbindliches Entwicklungsdokument ein, um Stoffe vor der kostspieligen Drehbuchphase zu bewerten. Produzent Hal B. Wallis perfektionierte die Form in den 1930er Jahren bei Warner Bros., indem er Treatments als Grundlage für Budgetkalkulationen nutzte. Die 1960er Jahre brachten durch Autoren wie William Goldman eine literarischere Herangehensweise, während heute digitale Treatments in Programmen wie WriterDuet oder Highland interaktive Elemente und Hyperlinks integrieren.
Praxiseinsatz im Film
George Lucas schrieb für "Star Wars" (1977) ein 13-seitiges Treatment, das die gesamte ursprüngliche Trilogie umfasste und als Verkaufsinstrument für 20th Century Fox diente. Christopher Nolan entwickelt grundsätzlich 20-25-seitige Treatments vor jedem Drehbuch, wie bei "Inception" (2010) dokumentiert. Streamingdienste wie Netflix verlangen heute Treatments mit spezifischen Episodenstrukturen: 8-10 Seiten für Pilotfolgen, 2-3 Seiten pro Folge für Staffelbögen. Das Treatment ermöglicht schnelle Strukturänderungen ohne Dialog-Anpassungen und dient als Referenz für Departments während der Vorproduktion.
Vergleich & Alternativen
Das Treatment unterscheidet sich vom Exposé durch konkrete Szenenführung statt bloßer Inhaltsangabe und vom Drehbuch durch fehlende Dialog- und Kameraanweisungen. Step Outlines (Szenenauflistungen) ersetzen Treatments bei TV-Produktionen, während Pitch Decks (10-15 Slides) in der Streaming-Ära visuelle Treatments ergänzen. Bibelbehandlungen (Series Bibles) erweitern das Treatment-Konzept für Serienformate um Charakterprofile und Weltentwürfe. Treatments bleiben unverzichtbar für internationale Ko-Produktionen, da sie sprachbarrierenfreie Stoffvermittlung ermöglichen.