Provisorische Musik aus anderen Filmen für den Rohschnitt — dient als Referenz für Rhythmus und Stimmung.
Technische Details
Temp Tracks werden standardmäßig im 48 kHz/24-bit-Format synchron zur Bildfrequenz (23,98 fps oder 25 fps) angelegt. Die Musikstücke werden frame-genau geschnitten und mittels Crossfades von 0,5 bis 2 Sekunden nahtlos verbunden. In Avid Media Composer erfolgt die Bearbeitung auf separaten Audio-Tracks (A7-A10), während Pro Tools dedizierte Temp-Sessions mit bis zu 128 Spuren verwaltet. Moderne Workflows nutzen Spotting-Software wie StreamS oder Cue, die automatische Sync-Points zwischen 0,1-Sekunden-Genauigkeit setzen.
Geschichte & Entwicklung
Regisseur William Wyler etablierte 1962 bei "The Collector" erstmals den systematischen Einsatz von Temp Tracks für Testscreenings. George Lucas revolutionierte 1977 das Verfahren mit "Star Wars", indem er ausschließlich klassische Musik (Holst, Wagner, Korngold) als temporäre Untermalung verwendete. John Williams orientierte sich so stark am Temp Track, dass Parallelen zu Gustav Holsts "The Planets" unüberhörbar blieben. Seit den 1990er Jahren nutzen 95% aller Hollywood-Produktionen Temp Tracks, verstärkt durch digitale Schnittsysteme, die nahtlose Integration ermöglichen.
Praxiseinsatz im Film
Christopher Nolan verwendet für seine Temp Tracks ausschließlich Musik vorheriger Projekte – "Dunkirk" enthielt Elemente aus "Interstellar" und "The Dark Knight Rises". Denis Villeneuve erstellte für "Blade Runner 2049" einen 40-stündigen Temp Track mit Vangelis' Originalmusik plus elektronischen Ambient-Stücken. Typische Spotting Sessions dauern 8-12 Stunden, wobei Music Editors wie Joe E. Rand bis zu 200 verschiedene Musikstücke testen. Problematisch wird "Temp Love" – die emotionale Bindung von Regisseuren an temporäre Musik, die Komponisten zu nachgeahmten Werken zwingt.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zur Demo Score (vom Komponisten erstellte Rohversion) oder Music Mock-ups (digitale Orchestervorschau) nutzt der Temp Track fremdes Material. Scratch Tracks enthalten zusätzlich vorläufige Soundeffekte und Dialoge. Moderne Alternativen umfassen KI-generierte temporäre Kompositionen (AIVA, Amper Music) oder komponentenbasierte adaptive Musik-Tools wie Wwise. Bei Low-Budget-Produktionen ersetzt Stock Music den traditionellen Temp Track, wobei Plattformen wie AudioJungle direkten Lizenzierung bieten.