Digitales Verschachtelungsverfahren für 3D-Material — zwei Bilder werden zeitlich oder räumlich so kombiniert, dass sie auf kompatiblen Displays korrekt als Stereopaar erscheinen. Postproduktions-Standard für 3D-Kino und Heimvideoformat.
Du sitzt im Schnitt und hast zwei separate Bildströme vor dir — Linksauge, Rechtsauge, beide in Full-HD oder 4K. Jetzt kommt die zentrale Frage: Wie packst du die beiden Perspektiven so zusammen, dass sie auf einem 3D-Display (Kino-Projektor, TV, VR-Headset) wieder auseinanderlaufen und jedes Auge das richtige Bild sieht? Das ist Stereoplexing — die digitale Verschachtelung zweier Bilder zu einem codierten Datenstrom, der am Ende wieder dekodiert wird.
Im Kern funktioniert das Verfahren nach wenigen etablierten Standards: Side-by-Side (SBS) legt das linke Bild links, das rechte rechts nebeneinander — effizient für Bandbreite, aber halbierte horizontale Auflösung pro Auge. Over-Under (OU) stapelt vertikal, spart weniger Auflösung, braucht aber mehr Speicher bei gleichem Bitrate-Budget. Interlaced (Zeilensprung) wechselt zwischen den Augen auf Scanline-Ebene — historisch für 3D-TVs relevant, heute selten. Checkerboard verteilt die Pixel im Schachbrettmuster — Speichereffizienz mit etwas Qualitätsverlust. Am Set oder in der Postproduktion wählst du das Format je nach Downstream-Anforderung: Ein DCI-Kino-Master braucht andere Vorgaben als eine Streaming-Version oder ein Blu-ray 3D.
Praktisch: Du exportierst deine finalen Stereo-Layer aus der VFX-Software oder dem Schnitt-System — idealerweise entkoppelt, ohne Kompression zwischen den Aufnahmen. Dann läuft das Material durch einen Stereo-Encoder oder Multiplexer, der beide Streams nach dem geforderten Standard verschachtelt. Achte auf Metadaten: Der finale Master braucht exakte Information über Disparity, Convergence-Punkt und welches Auge welche Seite sitzt — sonst dreht der Zuschauer die Augen in den Kopf. Tipp aus der Praxis: Immer unkomprimierte oder verlustarm kodierte Stereo-Zwischenversionen archivieren. Du wirst sie später brauchen, wenn Format-Anforderungen sich ändern — und sie tun es immer.
Ein häufiges Problem: Zeitversatz zwischen Links und Rechts durch asynchrone Rendering-Pipeline oder Codec-Puffer. Das Stereoplexing muss mit Frame-genauen Registrierungen arbeiten. Deshalb läuft der Prozess meist als finaler Schritt vor dem Master-Render — wenn alle Color Correction, Sound Design und VFX bereits locked sind. Manche Postproduktions-Häuser plexen erst bei der DCP-Erstellung oder dem Streaming-Transcode, nicht davor. Das erspart dir Speicherplatz, kostet aber später Flexibilität, wenn Korrektionen nötig werden.