Detaillierte Auflistung aller Tonaufnahmen eines Drehtags mit Take-Nummern, Qualitätsbewertungen und technischen Notizen.
Technische Details
Ein vollständiger Tonbericht listet jeden Take mit Start- und End-Timecode (Format: HH:MM:SS:FF bei 25fps), durchschnittlichen und maximalen Schalldruckpegeln in dB SPL, sowie der verwendeten Mikrofon-Konfiguration. Standardfelder umfassen Szenen- und Take-Nummer, Slate-Information, Samplingrate (meist 48kHz/24bit), verwendete Kanäle (bis zu 32 Spuren bei modernen Recordern wie Sound Devices 833), Windverhältnisse (Beaufort-Skala 0-12) und störende Umgebungsgeräusche mit deren ungefährem Frequenzspektrum. Digitale Versionen integrieren Metadaten direkt in die Audiodateien über BWF-Header (Broadcast Wave Format).
Geschichte & Entwicklung
Tonberichte entstanden 1929 mit Einführung des Synchrontons, als handschriftliche Listen auf vorgedruckten Western Electric-Formularen. Die Standardisierung erfolgte 1934 durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit dem ersten einheitlichen Sound Report Sheet. 1970 führte Nagra magnetische Referenztöne ein, wodurch präzise Synchronisation möglich wurde. Seit 1995 ergänzen digitale Metadaten die papierbasierte Dokumentation, ab 2010 ermöglichen cloudbasierte Systeme wie MovieSlate den direkten Upload zur Postproduktion.
Praxiseinsatz im Film
Bei "Mad Max: Fury Road" (2015) erstellte Tonmeister Ben Osmo täglich 847 einzelne Einträge für Fahrzeugmotoren, wobei jeder Motor-Take mit exakter Drehzahl und Getriebebelastung dokumentiert wurde. Christopher Nolans "Dunkirk" (2017) verwendete über 2.400 Tonberichte-Einträge allein für Flugzeuggeräusche, kategorisiert nach Flugzeugtyp, Flughöhe und Motorlast. Der Workflow sieht vor: Aufnahme mit sofortiger Bewertung (A-Take/B-Take/NG), Übertragung an Script Supervisor, Kopie an 1. Regieassistent für Continuity, Original zur Postproduktion.
Vergleich & Alternativen
Der Tonbericht unterscheidet sich vom Kamerabericht durch fokussierte Audiodokumentation ohne Bildparameter. Moderne Alternativen wie Ambient Recording Lockit-Systeme generieren automatische Reports via GPS-Timestamps und Slate-Erkennung. SetKeeper und ähnliche Apps ersetzen zunehmend Papierformulare, bieten jedoch identische Datenstrukturen. Bei Low-Budget-Produktionen übernimmt oft der Kameraassistent die Tonberichterstellung, was jedoch zu unvollständiger technischer Dokumentation führt.