Apples Raw-Codec der Raw-Flexibilität mit ProRes-Workflow-Effizienz kombiniert.
Überblick
ProRes RAW ist ein 2018 von Apple eingeführter Videocodec, der die ProRes-Kompressionstechnologie auf die unbearbeiteten Bilddaten des Kamerasensors anwendet. Im Gegensatz zu klassischem ProRes (das bereits entwickeltes, demosaiziertes Bild speichert) bewahrt ProRes RAW die rohen Sensordaten vor dem Debayering. Dadurch verbindet das Format die gestalterische Flexibilität von RAW-Material mit der Echtzeit-Schnittleistung von ProRes.
Der wesentliche Vorteil für die Postproduktion: Parameter wie Demosaicing, Weißabgleich, ISO/Belichtung sowie die Linear-zu-Log-Wandlung werden erst beim Editing festgelegt, nicht beim Dreh. Das erweitert den Spielraum bei Lichtern und Schatten und macht die Bildentwicklung weitgehend unabhängig vom proprietären Kamera-RAW-Format des Herstellers.
Varianten und Eigenschaften
Es existieren zwei Kompressionsstufen:
- ProRes RAW – Standardvariante mit hoher Bildqualität bei moderater Datenrate.
- ProRes RAW HQ – höhere Qualität bei entsprechend höherer Datenrate.
Beide arbeiten mit variabler Datenrate (VBR): Die Bitrate passt sich dem Bildinhalt an, um über alle Frames konstante Qualität zu halten. Damit ist ProRes RAW ein verlustbehafteter, aber visuell sehr hochwertiger Codec für HDR-Produktionen.
Aufnahme und Equipment
ProRes RAW wird nicht kameraintern in beliebigen Geräten erzeugt, sondern typischerweise über externe HDMI/SDI-Recorder aufgezeichnet. Verbreitet sind Atomos-Monitor-Recorder (z. B. die Ninja-Serie), die das RAW-Signal kompatibler Kameras entgegennehmen und in ProRes RAW schreiben. Viele dieser Recorder bieten zusätzlich Kamerasteuerung über USB-C für Parameter wie ISO, Verschlusszeit, Blende und Weißabgleich.
Die genaue Liste unterstützter Kameras, Recorder und Software pflegt Apple in der offiziellen Übersicht der autorisierten Produkte.
Einsatz in der Postproduktion
ProRes RAW lässt sich in den gängigen Schnittprogrammen verarbeiten, darunter Apple Final Cut Pro, Adobe Premiere Pro, DaVinci Resolve und Avid Media Composer. In Final Cut Pro, Motion und Compressor kann das Material zudem in andere Formate exportiert werden. Im Grading erlaubt das Format das Anwenden eigener LUTs sowie die nachträgliche Steuerung von Demosaicing und Log-Wandlung – relevant für alle Gewerke, die nach dem Dreh die Lichtstimmung und den Dynamikumfang feinjustieren.