Gedrucktes oder digitales Begleitmedium mit Sendeplatz, Handlung, Cast und Ausstrahlungszeiten — klassisch wöchentlich oder monatlich. Werbemittel und Zuschauer-Information in einem.
Das Programmheft war jahrzehntelang das zentrale Kommunikationsmittel zwischen Sender und Zuschauer — gedruckt, wöchentlich oder monatlich, mit allen Sendeplätzen, Synopsen, Cast-Angaben und Ausstrahlungszeiten. Für Produktionen bedeutet das Programmheft mehr als nur Informationsvermittlung: Es ist Werbeflächenverkauf, Prestige-Objekt und rechtlich relevantes Dokument zugleich. Der Sender verpflichtet sich darin zur angekündigten Ausstrahlung; für die Produktion ist die korrekte Nennung von Regie, Kamera und Cast eine Frage der Vertragserfüllung und des Kredits.
Im Produktionsalltag bedeutete das konkret: Pressebüro und Herstellung koordinieren frühzeitig mit der Produktion, um Stills zu beschaffen, Handlungstexte (zwischen 30 und 200 Wörtern, je nach Sendelänge) zu formulieren und Personal korrekt zu erfassen. Fehler hier — falsche Drehbuchautorin, fehlende Direktotin — pflanzen sich ins Archiv fort. Bei Dokumentationen und Serien ist die redaktionelle Beschreibung entscheidend für die Zuschauer-Erwartungshaltung. Ein spannender Text lockt, ein dürftiger vergrämt das Publikum. Die größeren Sender beschäftigten eigene Programm-Redakteure, die aus Pressemitteilungen und Original-Material einen knackigen Teaser destillierten.
Mit der Digitalisierung wurde das Programmheft zur Website, später zur App — Format-Flexibilität, aber auch rasantere Update-Zyklen. Die klassische Papierversion verschwand bei kleineren Sendern, blieb aber bei den großen öffentlich-rechtlichen als Prestige-Projekt erhalten. Der Unterschied: Das digitale Pendant erlaubt dynamische Links zu Trailer, Schauspieler-Profilen, Bewertungen. Für Produktionen ist das ein Gewinn — die IMDb-ähnlichen Verbindungen erhöhen die Sichtbarkeit. Gleichzeitig entfiel das greifbare Handwerk, das Programmheft als physisches Artefakt zu begreifen.
Heute ist die Unterscheidung zwischen Programmheft (Sender-Publikation) und Presseheft (Produktion für Presse und Marketing) fließender geworden. Dennoch: Wer selbst produziert, sollte verstehen, dass die Programmheft-Einträge nicht Dekoration sind. Sie fixieren die Geschichte deiner Arbeit im öffentlichen Raum — und in den Sendeanstalts-Archiven bleiben sie länger erhalten als jede Website.