Standfotos vom Set während oder zwischen den Takes — für Marketing, Presse und Behind-the-Scenes. Wird von einer separaten Stills-Fotografin geschossen, nie vom DoP-Kameraformat.
Während der Dreharbeiten läuft parallel zur Filmkamera eine zweite fotografische Operation — der Stills-Fotografin fällt die Aufgabe zu, Standbilder zu sichern, die später für Pressearbeit, Marketing und Archivierung dienen. Diese Produktionsfotos entstehen unabhängig von der Filmproduktion selbst und folgen völlig anderen Anforderungen als das Moving-Image-Material. Die Stills-Fotografin arbeitet mit ihrer eigenen Ausrüstung — meist digitale Systemkameras mit hochauflösenden Sensoren — und hat einen vollständig anderen Bewegungsspielraum am Set als die Filmcrew. Während wir als DoP die Beleuchtung für die Kamera aufbauen, positioniert sich die Stills-Fotografin oft außerhalb des Bildraums oder zwischen den Takes, um Material ohne Stativspuren und Kabelchaos zu sammeln.
Der operative Unterschied ist entscheidend: Produktionsfotos sollen den dramaturgischen Moment isolieren und simultane Kamera-Lichtsetzung unmittelbar wiedergeben — deshalb werden sie häufig während der aktiven Takes aufgenommen, wenn die Beleuchtung genau wie geplant sitzt. Die Stills-Fotografin muss dabei absolut lautlos arbeiten (Spiegelreflex-Kamera im Silent-Modus, oder besser: spiegellose Systeme) und darf niemals die Schauspiel-Konzentration oder den Sound-Recording unterbrechen. Zwischen den Takes wird oft ein zweiter Schwerpunkt gesetzt: Portraits der Darsteller in Make-up und Kostüm, Einstellungen des Sets unter kontrollierten Bedingungen, und dokumentarische Aufnahmen von Regisseur und Crew bei der Arbeit. Diese Behind-the-Scenes-Bilder werden später für Pressekits und Social-Media-Content freigegeben.
In der Postproduktion spielen Produktionsfotos eine unterschätzte Rolle. Sie dienen dem Cutter als Referenzmaterial für Schnittentscheidungen, dem VFX-Supervisor zur Dokumentation von praktischen Effekten und Wirkinnen, und dem Color-Grader als Beleuchtungs-Gedächtnis, wenn Tage oder Wochen zwischen Drehtag und Farbkorrektur liegen. Ein gut organisiertes Set mit professioneller Stills-Fotografin liefert täglich 200–500 Bilder zur Archivierung — diese Menge ermöglicht es später, exakt jene Momente zu identifizieren, die für Trailer, Filmplakate oder Pressekonferenzen brauchbar sind. Die Bildauflösung und der unkomprimierte RAW-Workflow erlauben es, Jahre später noch aus diesem Material zu arbeiten, ohne Qualitätsverluste zu akzeptieren.