Erste Zusammensetzung von VFX-Elementen vor Feinschliff und Color Grading — zeigt die grundlegende Platzierung, Skalierung und zeitliche Abstimmung. Arbeitsschritt zwischen Rohaufnahme und finalem Composite.
Du sitzt im Composite-Suite und hast die Rohaufnahmen vor dir — grüner Screen, Überbelichtung, noch kein Farbmanagement. Die erste Sache, die du machst, bevor du dich in Keyframing und Rotoscoping verlierst: eine Vorkomposition. Das ist dein funktionaler Schnappschuss — alle Layer grob zusammengesetzt, damit du und der Supervisor überhaupt erst mal sehen, wo's hingeht.
Im praktischen Workflow ist die Vorkomposition der Punkt, an dem du keying, Skalierung, Positionierung und grundlegendes Timing verprobt hast, ohne dass du dich bereits in hundert Minutien verloren hast. Du legst den Greenscreen-Key an, platzierst die Hintergrundplatte, setzt die VFX-Elemente — ob 3D-Objekt oder weiteres Filmmaterial — in ungefähre Größe und Position. Das ganze Ding ist noch nicht farblich abgestimmt, Schärfe und Motion Blur sind genau wie das finale Grading noch nicht drauf. Aber der Supervisor und der Director sehen sofort: Passt die Perspektive? Sitzt das Element zeitlich? Ist die Größenordnung sinnvoll?
Die Vorkomposition erspart dir Stunden sinnloser Feinarbeit. Wenn sich der Supervisor in dieser Phase gegen die grundlegende Platzierung äußert, machst du eine schnelle Korrektur — nicht drei Tage Rotoscope-Optimierung für ein Element, das eh woanders hin muss. Das ist auch der Moment, wo du deine Netzwerk-Referenzen nutzt: Lies die Kamera-Moves, die Bewegungen des Plates, die Schattenlage. Alles, was sich später rächen würde, wenn du's übersehen hast.
Im Schnitt unterscheidet sich die Vorkomposition vom finalen Composite vor allem durch den bewussten Verzicht auf Detailarbeit. Keine Farbkorrektur nach Beleuchtungs-Theorie, keine Edge-Treatment, kein Chromatic-Abberation-Matching — nur die essenziellen Elemente, damit die Entscheidungsträger ein Gefühl für Timing, Größe und räumliche Platzierung bekommen. Manche Häuser nennen das auch rough composite oder working composite, je nach Team-Sprache. Die Vorkomposition ist deine Arbeits-Hypothese, bevor du dich zum endgültigen Composite verschreibst.