Filmlexikon.
Unterstützen
Kinoptik Tegea
Kamera · Begriffe

Kinoptik Tegea

Murnau AI illustration
flow kinoptik para roll take

Kinoptik Tegea-Objektivserie mit spezieller Vergütung für kontrastreiches Bild und warme Farbcharakteristik.

Technische Details

Die Tegea-Serie umfasste vier Brennweiten: 40mm, 50mm, 75mm und 100mm, alle mit einer maximalen Blende von T2.8. Das optische Design basierte auf einem 8-Element-System mit zwei speziellen zylindrischen Frontlinsen für die anamorphe Kompression. Die Objektive wogen zwischen 1,8kg (40mm) und 2,4kg (100mm) und verwendeten einen proprietären Kinoptik-Bajonettanschluss. Die Naheinstellgrenze lag bei 1,2 Metern für alle Brennweiten. Charakteristisch waren die ausgeprägten horizontalen Lens Flares und eine leichte Verzerrung bei Nahaufnahmen, die dem Bildlook eine spezifische Ästhetik verliehen.

Geschichte & Entwicklung

Kinoptik entwickelte die Tegea-Serie 1954 als französische Antwort auf die amerikanischen Bausch & Lomb Super CinemaScope-Objektive. Pierre Angénieux, damals noch bei Kinoptik tätig, leitete die optische Entwicklung. Die ersten Tegea-Objektive kamen 1955 bei Jean Renoirs "French Cancan" zum Einsatz. Bis 1963 produzierte Kinoptik etwa 800 Tegea-Sets, bevor die Serie zugunsten der verbesserten Kinoptik Apochromat-Linie eingestellt wurde. Heute gelten erhaltene Tegea-Objektive als begehrte Vintage-Linsen für Cinematographen, die den charakteristischen 1950er-Jahre-CinemaScope-Look suchen.

Praxiseinsatz im Film

Französische Nouvelle Vague-Regisseure wie Jean-Luc Godard verwendeten Tegea-Objektive für Filme wie "Außer Atem" (1960), um trotz geringer Budgets Breitwandästhetik zu erreichen. Die 75mm-Brennweite etablierte sich als Standard für Dialogszenen, während die 40mm für Totalen genutzt wurde. Typischer Workflow erforderte spezielle anamorphe Sucher und präzise Fokussierung, da die geringe Schärfentiefe bei T2.8 wenig Toleranz zuließ. Nachteilig war das hohe Gewicht und die komplexe Schärfenachführung bei Kamerafahrten.

Vergleich & Alternativen

Im Gegensatz zu den schärferen amerikanischen Bausch & Lomb-Objektiven zeigten Tegea-Linsen eine weichere Bildzeichnung und stärkere chromatische Aberrationen. Moderne Alternativen wie Hawk V-Plus oder Cooke Anamorphic/i bieten deutlich bessere optische Korrektur, erreichen aber nicht den spezifischen Vintage-Charakter der Tegea-Serie. Für Produktionen, die authentischen 1950er-Jahre-CinemaScope-Look anstreben, bleiben restaurierte Tegea-Objektive erste Wahl, während zeitgenössische anamorphe Linsen für technisch anspruchsvolle Projekte bevorzugt werden.

Aktuelles

Das Kinoptik Tegea 9.8mm Ultraweitwinkel-Objektiv erfährt derzeit Aufmerksamkeit in der Filmcommunity, insbesondere bei Nutzern von Blackmagic Pocket Cinema Cameras. Das Objektiv, das bereits Stanley Kubrick für seine Produktionen einsetzte, wird als Option für extreme Weitwinkelaufnahmen diskutiert. Für 16mm-Format entspricht die Brennweite 5.7mm.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Fehler melden
Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Produktionen kalkulieren, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist Teil des Filmfarm-Ökosystems — neben Kalkulation (FilmBalance), Branchen-Magazin (FilmCircus) und Crew-Vernetzung (FilmCall, CrewMesh). Eine gemeinsame Begriffswelt für die ganze Produktion.

FilmFarm FilmRadarBald verfügbarFilmPulseBald verfügbarFilmNumbersBald verfügbarFilmCapitalBald verfügbarFilmLabBald verfügbarFilmBalanceBald verfügbarFilmCircusBald verfügbar