Französischer Objektivhersteller, bekannt für hochwertige Vintage-Kinoobjektive aus den 1960er-80er Jahren mit charakteristischem warmen Look.
Technische Details
Die Kinoptik-Serie umfasste Brennweiten von 9,8mm bis 150mm bei durchgängiger Blende von T2.3 bis T22. Die Objektive verfügten über eine spezielle Vergütung aus sechs Schichten und verwendeten Lanthan-Glas-Elemente für die Farbkorrektur. Das Auflagemaß betrug 52mm für 35mm-Kameras. Die Serie bestand aus den Modellen: 9,8mm (Fisheye), 18mm, 25mm, 32mm, 50mm, 75mm, 100mm und 150mm. Das Filtergewinde variierte je nach Brennweite zwischen 82mm und 95mm. Die Objektive wogen zwischen 1,2kg (25mm) und 2,8kg (150mm).
Geschichte & Entwicklung
Pierre Angénieux entwickelte die Kinoptik-Serie 1963 in Zusammenarbeit mit Berthiot als Antwort auf die steigende Nachfrage nach charaktervolleren Objektiven für Spielfilme. Die erste Produktion umfasste 250 Sets, die hauptsächlich an französische und britische Produktionsfirmen gingen. 1968 erweiterte Berthiot die Serie um die längeren Brennweiten 100mm und 150mm. Nach der Übernahme durch Angenieux 1975 wurde die Produktion 1982 eingestellt, da die schärferen Zeiss-Objektive den Markt dominierten. Insgesamt entstanden etwa 1.200 Sets.
Praxiseinsatz im Film
Kinoptik-Objektive prägten das visuelle Erscheinungsbild zahlreicher Filme der 1970er Jahre. Vilmos Zsigmond verwendete sie für "Die Unbestechlichen" (1976), um die düsteren Parkhaus-Szenen mit charakteristischem Flare zu versehen. Auch "Barry Lyndon" (1975) nutzte einzelne Kinoptik-Brennweiten für Kerzenlicht-Sequenzen. Die Objektive erzeugen bei Gegenlicht einen cremigen Flare ohne harte Reflexe und komprimieren Hauttöne zu einem warmen, analogen Look. Der Workflow erforderte präzise Belichtungsmessung, da die Objektive bei Überbelichtung schnell "ausfransen".
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zu den technisch perfekteren Zeiss Standard Speeds bieten Kinoptik-Objektive weniger Schärfe, aber deutlich mehr Charakter. Moderne Alternativen wie die Cooke S4/i oder Leica Summilux-C erreichen ähnliche Wärme, jedoch ohne die typischen Abbildungsfehler. Kinoptiks eignen sich für Periode-Filme, Dramen und atmosphärische Szenen, während Zeiss-Objektive bei Action und VFX-lastigen Produktionen bevorzugt werden. Heute werden originale Kinoptik-Sets für 45.000-60.000 Euro gehandelt.