Sowjetisches VistaVision-ähnliches Großformat (70mm horizontal) mit Anamorphen-Optiken — breites Ultra-Weitwinkel-Format für monumentale Szenen. Konkurrenz zu IMAX, aber nur in Sowjetblöcken verbreitet.
Das sowjetische Großformat Kinopanorama 70 entstand in den 1970er Jahren als Antwort auf westliche Blockbuster-Technologien — eine Kombination aus horizontalem 70mm-Material und anamorphen Optiken, die ein Ultra-Weitwinkel-Bild von etwa 2,6:1 produzierte. Anders als VistaVision, das auf 65mm vertikal arbeitete, nutzte Kinopanorama 70 die horizontale Filmführung und erreichte damit eine Projektion mit extremer Breite — ideal für monumentale sowjetische Produktionen wie Kriegsepos oder Naturszenen. Das System blieb allerdings weitgehend auf den Ostblock beschränkt; nur wenige Kinos in der DDR, Polen und der Sowjetunion selbst waren mit den erforderlichen Projektoren ausgestattet.
Am Set führte Kinopanorama 70 zu eigenen Anforderungen: Die anamorphen Linsen brauchten aggressive Lichtsetzung und präzise Fokusierung — das breite Sichtfeld bot wenig Spielraum für Fehler. Kamerabewegungen mussten bedacht werden, da die extreme Weitwinkel-Verzerrung schnell unnatürlich wirkte. Gegenüber IMAX hatte das Format Vorteile bei konventionellen Narrativfilmen, aber Nachteile bei der Bildqualität über längere Formate hinweg; die Kornstruktur des Negativmaterials wurde bei dieser Vergrößerung deutlich sichtbar. Im Vergleich zu Panavision oder VistaVision war Kinopanorama 70 technisch robuster, aber deutlich weniger flexibel in der Nachproduktion — Schnitt, Farbkorrektur und optische Effekte waren mit den verfügbaren sowjetischen Labors begrenzt.
Praktisch bedeutete das: Wer mit Kinopanorama 70 drehte, musste alles im Kameranegativ lösen. Es gab keine digitalen Optionen, keine Shortcuts in der Postproduktion. Die wenigen Filme, die in diesem Format entstanden, wirken heute wie Zeitdokumente einer Kamera-Ästhetik, die kompromisslos auf monumentale, in-camera-realisierte Bilder setzte. Nach 1990 verschwand das Format praktisch — zu spät gekommen, um sich gegen IMAX und digitale Projektion zu behaupten.