Dolby-Stereo-Variante für 70mm-Filmkopien mit sechs diskreten Tonspuren — Zentral, Links, Rechts, Surround-Paar und separater Subwoofer. Später als Standard für große Kinos etabliert.
Mit dem 70mm-Format kam die Chance, den Ton endlich aus dem Kompromiss zu befreien. HiFi-Stereo-70mm bot sechs diskrete Tonspuren — nicht gemischt, nicht optisch gepresst, sondern physisch auf dem Film verankert: drei Front-Kanäle (Links, Zentral, Rechts), ein Surround-Paar und ein eigener Subwoofer-Kanal. Das war nicht einfach eine Erweiterung von Dolby Stereo. Das war ein Neustart.
Der praktische Vorteil lag in der räumlichen Kontrolle. Am Set — oder später im Dub-Stage — konntest du jeden Kanal absolut unabhängig gestalten. Der Dialog saß präzise im Center. Ambient-Sounds und Effekte verteilten sich nach Bedarf auf Left und Right. Der Surround-Kanal war nicht mehr eine Nebensache, sondern ein gleichwertiger Raum. Und der Sub-Kanal? Der kümmerte sich um Low-Frequency-Impact — Explosionen, Musik-Bässe, alles Tieffrequente, ohne den Rest durcheinanderzubringen. Für Action-Filme war das Gold.
Technisch erforderte das neue Synchronisations-Anforderungen. Der 70mm-Film selbst war breiter, die Tonspuren saßen physisch neben- und übereinander auf dem Material. Im Projektor brauchte es spezialisierte Köpfe zum Abspielen — nicht jedes Kino hatte die Hardware. Das limitierte die Verbreitung auf Premium-Locations: große Arthouse-Kinos, internationale Festival-Häuser, später große Multiplex-Auditorien. Ein Film in HiFi-Stereo-70 war also auch eine Aussage über Produktions-Budget und angestrebtes Publikum.
In der Praxis — ich erinnere mich an Mixing-Sessions für 70mm-Prints — war die Herausforderung weniger die Technik, sondern die Disziplin. Sechs Kanäle bedeuteten auch sechs Möglichkeiten, Fehler zu machen. Du musstest jeden Kanal einzeln checken, jede Lautstärke-Kurve nachvollziehen, weil ein heißer Sub-Kanal schnell zum Eigentor wurde. Die Mischerei-Ästhetik war aber klar: immersiver, räumlicher, uneingeschränkter. Das HiFi-Stereo-70-Format setzte den Standard für große Filmräume — später übernahmen vergleichbare Multi-Channel-Konzepte das digitale Kino.