Branchenverband der deutschen Kinobetreiber seit 1948 — verhandelt Filmrechte, setzt Kinostandards und bestimmt mit, wann und wie Filme in die Lichtspielhäuser kommen. Praktisch: ohne HDF kein Kinostart.
Die deutsche Kinobranche funktioniert ohne Verhandlungspartner auf Seite der Betreiber nicht. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater organisiert diese Seite seit 1948 — ein Kartell im besten Sinne, das Kino-Besitzer gegen die Macht der Distributoren und Produzenten schützt. Am Set kriegst du das nicht unmittelbar mit, aber jede Premiere, jeder Kinostart läuft durch diese Institution. Die HDF sitzt am Tisch, wenn es um Verleihgebühren geht, um die Quote der deutschen Filme, um Starttage und Sperrfristen. Ohne ihre Zustimmung — oder zumindest ohne Verhandlungen mit ihr — kommt kein großer Film ins deutsche Kino.
Praktisch heißt das: Die HDF regelt, wie lange ein Film exklusiv im Kino laufen muss, bevor er auf Streaming-Plattformen oder in den Pay-TV kommt. Sie handelt Abgabequoten aus — wieviel Prozent der Ticketeinnahmen an den Verleiher fließen, wieviel beim Kino bleibt. Die Quote schwankt je nach Laufwoche und Filmstärke. Für einen Top-Blockbuster zahlt das Kino in Woche eins bis zu 60 Prozent ab, bei kleineren Produktionen weniger. Diese Verhandlungen beeinflussen die Rentabilität jedes Films. Läufst du mit deiner Low-Budget-Produktion zu den Kinos, kommen sie mit Fragen: Was sagt die HDF zu deinem Verleihmodell? Passt es in die branchenüblichen Strukturen?
Hinzu kommen technische Standards — die HDF setzt fest, welche Projektionsformate verbindlich sein sollen, welche Ton-Systeme anerkannt sind. DCI-Compliance, Dolby Atmos, Laser-Projektion — all das wird von Branchenverbänden wie der HDF mitbestimmt. Am Schneidetisch interessiert dich das nur am Rande, aber in der Endabnahme wird's ernst: Dein DCP muss spezifikationen erfüllen, die der HDF-Standard vorgibt, sonst spielen die Kinos ihn nicht.
Die HDF verhandelt auch mit Streaming-Anbietern über Windowing-Vereinbarungen — wie lange muss ein Film Kino bleiben? Während Corona hat sich da viel bewegt. Die Spannung zwischen Kino-Exklusivität und schnellem VOD-Release ist auch eine HDF-Angelegenheit. Du merkst: Ohne sie wäre die deutsche Kinolandschaft rechtlich und wirtschaftlich nicht organisierbar. Für große Studios ist sie ein Gegenpol, für Independents manchmal eine Hürde, aber immer ein Faktor.