Kodaks experimentelles 70mm-Format aus den 1920ern — breiteres Negativ als 65mm, frühe Versuche im Großformat. Kaum Material erhalten.
Kodak experimentierte in den 1920ern mit einem 70mm-Negativ-Format, das breiter ausfiel als das später standardisierte 65mm-System — das war Grandeur 70. Nicht zu verwechseln mit dem heutigen 70mm-Projektionsformat (das speist sich meist aus 65mm-Negativen). Damals war Größer-ist-Besser noch Wildwest im Kamera-Engineering, und Kodak wollte wissen, wie weit man gehen konnte, bevor Lichtverlust und Körnigkeit zum Problem wurden.
Die praktische Herausforderung lag auf der Hand: Breiteres Negativ bedeutet mehr Fläche für Licht, theoretisch bessere Auflösung und weniger Körnigkeit bei Vergrößerung — aber auch schwerere Kameras, teurere Filme und ein Maschinenpark, den niemand hatte. Kodak drehte tatsächlich wenige Testfilme in diesem Format. Das Grandeur-System sollte für Großkinos attraktiv sein, die sich nach noch imposanteren Bildern sehnten als das damalige 35mm hergab. Technisch war der Ansatz nicht dumm — größeres Negativ-Format ermöglicht schlankere Optiken und weniger Vergrößerungsverluste — aber wirtschaftlich starb das Projekt schnell.
Der Grund: Die 1920er-30er waren auch die Zeit, als Theater-Chains sich gerade auf Tonfilm umstellen mussten. Wer sollte dann extra in neue 70mm-Kameras und -Projektoren investieren? Hollywood standardisierte stattdessen auf 65mm für die wenigen wirklich ambitionierten Großformat-Produktionen (Cinerama, VistaVision-Nachfahren). Grandeur 70 blieb ein Fußnote — heute interessiert es vor allem Archive und Format-Historiker.
Was bleibt: Die Erkenntnis, dass Negativgröße allein nicht über Filmqualität entscheidet. Optik, Belichtung, Entwicklung spielen die Hauptrolle. Und dass nicht jede technische Verbesserung den Markt erschließt, wenn die Infrastruktur fehlt. Wer sich heute für Großformat interessiert, schaut sich eher Imax-Aufnahmen oder digitale High-Speed-Kameras an — aber die handwerkliche Neugier, die Kodak damals trieb, lebt in jedem Versuch weiter, das Negative zu maximieren.