Vorzeitiger Drehbeginn vor Ablauf der gesetzlichen Ruhezeit — erfordert Mehrkosten und Gewerkschaftsgenehmigung.
Technische Details
Die Mindesturnaround-Zeit beträgt standardmäßig 11 Stunden zwischen Drehschluss und erneutem Call. Bei einem Forced Call wird diese auf 9-10 Stunden reduziert. In Deutschland regelt der Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende (TVA) eine maximale Arbeitszeit von 10 Stunden täglich, bei Überschreitung fallen Zuschläge von 25% für die 11. 12. Stunde an. Ein Forced Call erfordert die schriftliche Zustimmung der betroffenen Person und muss mindestens 12 Stunden vor dem ursprünglich geplanten Call kommuniziert werden. Bei Hauptdarstellern können die Zusatzkosten zwischen 2.000-15.000 Euro pro Tag betragen.
Geschichte & Entwicklung
Der Forced Call etablierte sich in Hollywood während der Studiosystem-Ära (1930-1960), als Produktionsstudios absolute Kontrolle über ihre Vertragsschauspieler ausübten. 1946 führte die Screen Actors Guild erste Schutzbestimmungen ein, nachdem Fälle von 20-Stunden-Drehtagen öffentlich wurden. In Deutschland wurde die Praxis erst 1978 durch den TVA geregelt. 1985 verschärften sich die Bestimmungen nach einem Unfall am Set von "Das Boot - Director's Cut", bei dem Übermüdung als Mitverursacher galt. Heute beschränken EU-Arbeitszeitrichtlinien die Anwendung erheblich.
Praxiseinsatz im Film
Forced Calls kommen hauptsächlich bei Wetterabhängigkeit, Locationwechseln oder Schauspielerkonflikten zum Einsatz. Bei "Mission: Impossible - Fallout" (2018) musste Tom Cruise nach seinem Motorradunfall innerhalb von 8 Stunden erneut verfügbar sein, um Continuity-Aufnahmen zu drehen. Typischerweise werden sie bei Pick-up-Shots oder Insert-Aufnahmen verwendet, wenn der Hauptdrehtag bereits abgeschlossen ist. Die Produktionsleitung kalkuliert dabei 1,5-2 zusätzliche Stunden für Maske und Kostüm ein, da die Crew weniger Zeit zur Vorbereitung hat.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zum Split Day (geteilter Drehtag mit mehreren Stunden Pause) erfolgt beim Forced Call eine verkürzte, durchgehende Ruhephase. Double Shooting (gleichzeitiges Drehen zweier Einheiten) vermeidet oft Forced Calls durch parallele Aufnahmen. Moderne Produktionen setzen verstärkt auf Virtual Production und Pre-Visualization, um solche Situationen zu vermeiden. In den USA unterscheidet sich die Praxis durch weniger restriktive Gewerkschaftsregeln - dort sind 6-Stunden-Turnarounds bei Zusatzvergütung möglich, während EU-Produktionen mindestens 9 Stunden einhalten müssen.