DDR-Weitwinkelobjektiv von Carl Zeiss mit 20mm Brennweite — bekannt für charakteristische Verzerrung und warme Farbwiedergabe.
Technische Details
Das Flektogon 20 nutzt eine 9-linsige Konstruktion in 7 Gruppen mit retrofokaler Anordnung, die einen Auflagemaß von 45,5mm bei M42-Gewinde ermöglicht. Die kleinste Blende beträgt f/22, die Naheinstellgrenze liegt bei 0,19m. Das Objektiv wiegt 320g bei einer Länge von 64mm und einem Filterdurchmesser von 67mm. Die Version f/2,8 aus den 1970er Jahren gilt als optisch überlegene Variante mit MC-Vergütung (Multi-Coating), während frühere Modelle nur einfach vergütet waren. Die Schärfentiefe reicht bei f/11 und 2m Entfernung von 0,7m bis unendlich.
Geschichte & Entwicklung
Zeiss Jena führte das erste Flektogon 20/4 1965 als Antwort auf westliche Weitwinkel-Entwicklungen ein. 1969 folgte die lichtstärkere Version f/2,8, die bis 1979 mit Zebra-Design produziert wurde. Ab 1979 wechselte das Design zu schwarzer Fassung mit gummierten Ringen. Die Produktion endete 1991 mit der deutschen Wiedervereinigung und der Auflösung des VEB-Systems. Insgesamt entstanden etwa 180.000 Exemplare aller Versionen.
Praxiseinsatz im Film
Ostdeutsche Produktionen der 1970er und 1980er Jahre nutzten das Flektogon 20 häufig für Landschaftsaufnahmen und Innenräume. Die DEFA setzte es in Filmen wie "Solo Sunny" (1980) für weitwinklige Stadtansichten ein. Die geringe Verzeichnung macht es ideal für Architekturaufnahmen, während die hohe Schärfeleistung auch bei offener Blende präzise Fokussierung ermöglicht. Der sanfte Schärfeverlauf (Bokeh) und die warme Farbwiedergabe charakterisieren den visuellen Stil vieler Ostblock-Produktionen.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber westlichen Pendants wie dem Canon FD 20/2,8 oder Nikkor 20/3,5 bietet das Flektogon vergleichbare optische Leistung bei deutlich geringerem Preis auf dem Gebrauchtmarkt. Moderne Alternativen wie das Zeiss Distagon 21/2,8 ZF übertreffen es in Schärfe und Kontrast, erreichen aber nicht dessen charakteristische Farbwiedergabe. Für digitale Kameras erfordern Adapter eine Korrektur des Auflagemaßes, wodurch sich der Bildwinkel auf etwa 30mm KB-Äquivalent verändert.