Carl Zeiss Weitwinkelobjektiv mit 35mm Brennweite aus DDR-Produktion — liefert markante Optik mit leichter Kissenverzerrung.
Technische Details
Das Flektogon 35 existierte in mehreren Versionen: die frühe f/2.8-Variante (1961-1975) mit Preset-Blende, die spätere f/2.4-Version (1965-1990) mit Springblende und die finale f/2.8 MC-Ausführung mit Mehrschichtvergütung. Die retrofokale Konstruktion ermöglichte eine Auflagemaß-konforme Montage an Spiegelreflexkameras trotz kurzer Brennweite. Das Objektiv wog 280-320g je nach Fassung und besaß einen 58mm-Filtergewinde. Die Naheinstellgrenze lag bei 19cm, was für die damalige Zeit außergewöhnlich nah war.
Geschichte & Entwicklung
Carl Zeiss Jena entwickelte das erste Flektogon 35 1961 unter der Leitung von Erhard Glatzel als Antwort auf westliche Weitwinkelkonstruktionen wie das Zeiss Distagon. Die Massenproduktion begann 1962 für Kameras der Pentacon-Serie. 1965 folgte die lichtstärkere f/2.4-Version, die bis zum Mauerfall 1989 produziert wurde. Nach der Wiedervereinigung stellte Carl Zeiss die Produktion ein, da die Objektivlinie nicht in das neue Sortiment integriert wurde.
Praxiseinsatz im Film
Osteuropäische Filmproduktionen nutzten das Flektogon 35 extensiv für Landschafts- und Architekturaufnahmen. Die DEFA setzte es in Filmen wie "Die Legende von Paul und Paula" (1973) für Weitwinkel-Stadtansichten ein. Das Objektiv zeichnet sich durch hohe Schärfe bis in die Bildecken und moderate Verzeichnung aus, neigt jedoch zu Flares bei Gegenlicht. Die retrofokale Konstruktion erzeugt einen charakteristischen Bokeh-Verlauf mit leichter Nervosität in unscharfen Bereichen.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zum westdeutschen Zeiss Distagon 35mm besitzt das Flektogon eine andere Linsenanordnung mit weniger Elementen, was zu einem anderen Rendering führt. Moderne Alternativen wie das Zeiss Distagon T* 35mm f/2 oder Sigma Art 35mm f/1.4 bieten höhere Lichtstärke und bessere Vergütung, erreichen jedoch nicht die spezifische Bildcharakteristik des Flektogons. Sammler schätzen heute besonders die MC-Versionen wegen ihrer Seltenheit und des unverwechselbaren ostdeutschen Bildlooks.