Easyrig is a technique of professional camera work.
Technische Details
Das System besteht aus einem gepolsterten Hüftgurt, verstellbaren Rückenstützen und einem gefederten Arm mit Kamera-Interface. Die Bungee-Seile erzeugen eine Zugkraft von 5-170 Newton, abhängig vom Modell (Minimax für Kameras 2-7 kg, Vario 5 für 5-17 kg, Cinema 3 für 10-17 kg). Der Federarm lässt vertikale Bewegungen von bis zu 130mm zu und dämpft abrupte Gewichtsverlagerungen. Das Schnellverschluss-System (Quick Release) ermöglicht Kameramontage binnen Sekunden über standardisierte 1/4"- oder 3/8"-Gewinde.
Geschichte & Entwicklung
Johan Hellsten entwickelte das erste Easyrig 1993 in Stockholm für die schwedische Filmproduktion. Die Markteinführung erfolgte 1998 nach fünf Jahren Prototypentwicklung mit Fokus auf Handkamera-intensive Dogme95-Produktionen. 2003 etablierte sich das System international durch den Einsatz bei "28 Days Later" von Danny Boyle. Die Cinema-Serie folgte 2008 speziell für digitale Kinokameras, 2015 kam das kompakte Minimax-Modell für DSLR- und Mirrorless-Kameras.
Praxiseinsatz im Film
Kameraleute nutzen Easyrigs primär für Steadicam-ähnliche Bewegungen ohne die Komplexität gyroskopischer Stabilisierung. Bei "Children of Men" (2006) ermöglichte das System Alfonso Cuaróns charakteristische Langzeithandkamera-Sequenzen über mehrere Minuten. Die Kombination mit elektronischen Gimbals wie dem MōVI schafft hybride Setups für komplexe Kamerabewegungen. Typische Einsatzgebiete sind Verfolgungsszenen, Walk-and-Talk-Sequenzen und Dokumentarfilmaufnahmen, wo maximale Mobilität bei kontrollierter Bildführung gefordert ist.
Vergleich & Alternativen
Im Gegensatz zum Steadicam eliminiert das Easyrig keine Kamerabewegungen, sondern reduziert lediglich das Tragegewicht. Moderne Alternativen wie das Flowcine Serene oder Ready Rig bieten ähnliche Gewichtsentlastung mit verbesserter Ergonomie. Elektronische Gimbal-Systeme (DJI Ronin, ARRI Trinity) übernehmen zunehmend die Stabilisierungsfunktion, während Support-Systeme wie Easyrigs die physische Belastung minimieren. Bei statischen Aufnahmen bleiben Tripods und Dollys erste Wahl, für extreme Mobilität setzen sich zunehmend Drohnen-Systeme durch.