Elite Anamorphot: Hochwertige anamorphe Objektive mit 2:1-Kompression für Cinemascope-Format und charakteristische ovale Blendenflecken.
Technische Details
Die Elite Anamorphot-Serie umfasste vier Brennweiten: 40mm, 50mm, 75mm und 100mm, alle mit einer maximalen Blende von T/2.8. Die Objektive verfügen über ein asymmetrisches optisches Design mit zylindrischen Linsenelementen, die ausschließlich horizontal komprimieren, während die vertikale Auflösung unverändert bleibt. Das Auflagemaß beträgt 52mm für PL-Mount-Systeme. Die Naheinstellgrenze liegt bei allen Brennweiten bei 0,9 Metern. Die charakteristische ovale Bokeh-Form entsteht durch die unterschiedliche Brennweite in horizontaler (komprimiert) und vertikaler Richtung (normal). Das Filtergewinde misst M95x1.
Geschichte & Entwicklung
Elitescreen entwickelte die Elite Anamorphot-Serie 1985 als kostengünstige Alternative zu den etablierten Panavision- und Technovision-Systemen. Der dänische Ingenieur Lars Møller konzipierte die Objektive speziell für europäische Independentproduktionen. 1989 erweiterte Elite Video Systems die Serie um Close-Focus-Varianten mit einer Naheinstellgrenze von 0,6 Metern. Die Produktion endete 1992, als sich das Unternehmen auf digitale Videotechnik konzentrierte. Heute gelten die etwa 200 produzierten Sets als seltene Sammlerobbjekte.
Praxiseinsatz im Film
Elite Anamorphot-Objektive kamen hauptsächlich in skandinavischen und deutschen Arthouse-Produktionen zum Einsatz. Lars von Trier verwendete ein komplettes Set für "Europa" (1991), um die charakteristische horizontale Lensflare-Struktur zu erzielen. Die Objektive erfordern spezielle Mattscheiben mit Entzerrungsmarkierungen und kompatible Sucher. Im Gegensatz zu modernen anamorphotischen Systemen zeigen Elite Anamorphot-Objektive deutliche Verzeichnungen an den Bildrändern und einen merklichen Schärfeabfall, was ihnen einen unverwechselbaren "organischen" Look verleiht.
Vergleich & Alternativen
Elite Anamorphot-Objektive unterscheiden sich von Panavision Ultra Panatar oder Kowa Anamorphic durch ihre weichere Zeichnung und stärkere chromatische Aberration. Moderne Alternativen wie Atlas Orion oder ARRI Master Anamorphic bieten schärfere Abbildung und konstantere Performance, erreichen aber nicht den charakteristischen Vintage-Look der Elite-Serie. Während Hawk V-Lite oder Cooke Anamorphic/i für präzise kommerzielle Produktionen geeignet sind, bleiben Elite Anamorphot-Objektive die Wahl für Projekte mit nostalgischem 1990er-Aesthetic.