Filmlexikon.
Premium
Vertriebsgebühr
Produktion

Vertriebsgebühr

Distribution fee
Murnau AI illustration
pre sales distribution costs virtual print fee

Provisionsanteil, den der Verleiher vom Einspielergebnis einbehält — üblicherweise 30–50 % im Kino, deutlich höher bei Streaming. Reduziert die Einnahmen für Produzent und Investor direkt.

Der Verleiher nimmt sich seinen Schnitt, bevor überhaupt etwas bei Produzent oder Investor ankommt — das ist die Vertriebsgebühr, und sie ist einer der hartnäckigsten Kostenfaktoren in der Filmfinanzierung. Im Kino bewegt sich diese Provision typischerweise zwischen 30 und 50 Prozent des Einspielergebnisses, je nachdem wie stark der Verleih positioniert ist und wie viel Marketingarbeit er selbst trägt. Bei kleineren Produktionen oder schwachen Starts kann der Verleih auch 60 Prozent oder mehr einbehalten — das Risiko-Argument lautet dann, dass er ja auch für Flops zahlt.

In der Praxis funktioniert es so: läuft dein Film in Deutschland für 5 Millionen Euro ein, behält der Verleih sofort 1,5 bis 2,5 Millionen ein. Dazu kommen dann noch Herstellungskosten für Kopien, DCP-Erstellung, Marketingausgaben und Abspielgebühren für die Kinos — all das wird vom Brutto abgezogen, bevor es ans Nettoeinspielen geht. Der Produzent sieht also schnell nur noch ein Drittel oder weniger des Ticketverkaufs. Das macht Kino-Finanzierung für kleinere Filme extrem fragil. Deshalb rechnen erfahrene Producer immer mit diesem Szenario: erst Verleih-Gebühr weg, dann Herstellungskosten, dann Investor-Rendite.

Bei Streaming und Premium-VOD wird es noch drastischer — hier kassiert die Plattform oder der digitale Distributor oft 50 bis 70 Prozent ein. Netflix, Amazon Prime und Co. haben Verhandlungsmacht, weil sie die Reichweite bringen. Ein Low-Budget-Film, der direkt auf einen Streaming-Service geht, kann mit einer 60-Prozent-Gebühr rechnen. Der Producer-Anteil schrumpft dann auf das nackte Existenzminimum. Das ist auch der Grund, warum viele unabhängige Filmemacher mittlerweile hybrid denken: Kino für Prestige und Amortisation, Streaming als Fallback für Langzeitumsätze.

Verhandlungsspielraum entsteht nur bei starken Positionen — große Namen, etablierte Regisseure, hohe Budgets, Festivalpreise. Ein A-Liste-Verleih könnte mit 25–35 Prozent kalkulieren, wenn er vom Stoff überzeugt ist und gutes Marketing-Potenzial sieht. Für alle anderen gilt: Vertriebsgebühr ist nicht verhandelbar, sie ist systemisch. Smart Producer bauen diese Quote von vornherein in die Finanzierungsrechnungen ein und kalkulieren rückwärts — erst die Gebühr weg, dann schauen, was überhaupt für die Investor-Quote bleibt. Wer das nicht macht, erlebt am ersten Abrechnungstag eine böse Überraschung.

Im Lexikon weiter

Verwandte Begriffe

Aus dem Filmfarm-Ökosystem

Bildsprache verstehen, Equipment finden, Crew vernetzen.

Das Lexikon ist eine von sieben Komponenten von Filmfarm. Equipment-Picker (FilmBalance), Term-Auto-Linker (FilmCircus), Curator-Validation (Admin-Cockpit) — alle greifen auf dieselben Begriffe zu via mcp.thefilmradar.com.

FilmFarm FilmBalance FilmCircus FilmLab FilmRadar FilmNumbers FilmPulse