Mikrofon mit ausgeprägter Richtwirkung — nimmt Schall hauptsächlich von vorne auf, unterdrückt Nebengeräusche von der Seite und hinten. Standard für Dialogaufnahmen am Set.
Am Set brauchst du ein Mikrofon, das exakt das abholt, was du willst — und alles andere ignoriert. Das Richtmikrofon macht genau das. Seine Kapsel ist so konstruiert, dass sie Schallwellen von vorne bevorzugt aufnimmt, während Nebengeräusche von der Seite und von hinten deutlich schwächer eingehen. Das funktioniert über die physikalische Geometrie der Mikrofonöffnung und interne Phasenkammer-Konstruktionen, die Schall aus bestimmten Winkeln auslöschen.
In der Praxis sieht das so aus: Du richtest das Richtmikrofon auf den Mund des Schauspielers. Der Dialog kommt sauber rein — mit vollständiger Präsenz und Klarheit. Gleichzeitig filtert der Mikrofontyp das Rattern des Kamerawagens, das Rauschen der Klimaanlage und den Verkehr von nebenan massiv aus. Das ist nicht perfekt — kein Richtmikrofon arbeitet mit unendlicher Selektivität — aber es reduziert die Postproduktion um Welten. Du sparst dir stundenlange Isolations- und Filterarbeit im Schnitt, weil dein Ton am Set bereits sauberer ist. Das ist der Kernvorteil.
Die Standard-Richtmikrofone am Set sind Kondensator-Modelle mit Nierenmuster oder Keulenmuster (auch Supercardioid genannt). Das Nierenmuster ist am universellsten — es verzeiht leichte Abweichungen in der Positionierung. Das Keulenmuster ist noch ausgeprägter in der Unterdrückung von der Seite, braucht aber exaktere Platzierung und kann Flatterechos erzeugen, wenn Schall von schräg hinten kommt. Du montierst das Mikrofon an einer Fischstange, hältst es knapp aus dem Bildrahmen — 20–40 cm über oder neben dem Kopf des Schauspielers. Der Tonmeister manövriert es parallel zur Bewegung mit, folgt dem Dialog.
Wichtig: Ein Richtmikrofon ist kein Zauberstab. Es braucht Windschutz (Foam oder Fell), sonst rauscht schon leichter Wind massiv. Es braucht auch professionelle Handhabung — Vibrationen übertragen sich direkt. Deshalb Shock-Mount, niemals direkt fassen. Und die Richtcharakteristik funktioniert nur im Nahfeld gut; je weiter entfernt der Sprecher, desto undifferenzierter wird die Aufnahme. Das ist die Realität — niemand arbeitet auf 5 Meter Distanz mit Richtmikrofon.
Im Schnitt — sei es Synchronisation oder Dialogue-Editing — arbeitest du normalerweise bereits mit sauberen Takes, weil das Richtmikrofon seine Arbeit geleistet hat. Das spart dir Filterung und künstliche Noise-Reduction, die immer einen Preis haben.