Schichtweise Zusammensetzung von Bildebenen in der Post — Greenscreen-Footage, 3D-Elemente, Effekte und Color-Grading in eine finale Platte integrieren. Findet im VFX-Studio statt, nicht am Set.
Du sitzt im Schnittplatz und hast vor dir eine Schicht aus dem Greenscreen-Dreh — der Schauspieler vor grünem Hintergrund, beleuchtetet von vorne, ohne Mikrobewegungen in der Kamera. Daneben liegen drei weitere Ebenen: eine 3D-Umgebung aus dem 3D-Department, Partikel-Effekte aus Houdini und eine Korrektur-Ebene für Color-Grading. Du musst all das in einer kontrollierten, non-destruktiven Reihenfolge zusammenbringen — das ist Digital Compositing. Es ist nicht die Montage selbst, sondern die Schichtarbeit nach dem Dreh, wo einzelne visuell getrennte Bildebenen in einer festgelegten Hierarchie übereinandergelegt, transformiert und farblich abgestimmt werden.
Im Studio arbeitest du in spezialisierter Software — Nuke, After Effects, Fusion — wo jede Ebene ihre eigene Kontrolle behält. Du stellst die Greenscreen-Platte frei (Keying), skalierst sie perspektivisch so, dass sie zur 3D-Camera-Motion passt, legst die CGI-Umgebung darunter, die Lichteffekte darüber und berechnest dann alles gemeinsam durch. Der entscheidende Punkt: jede Schicht bleibt editierbar, bis zum finalen Render. Der Director will die Farbe wärmer? Nicht neu drehen — die Color-Ebene anpassen. Das Greenscreen-Keying ist zu hart? Federn angleichen, ohne die Ebenen neu zu stacken.
Das unterscheidet sich fundamental von am-Set-Arbeit. Der VFX Supervisor hat am Dreh bereits überlegt: Welche Hintergründe werden später hinzugefügt? Wo braucht es Tracking-Marker für die 3D-Rekonstruktion? Wie intensiv muss die Beleuchtung sein, damit das fertige Element glaubhaft aussieht? Im Compositing selbst wird das dann räumlich und farblich kohärent zusammengezogen.
Die Reihenfolge ist ritualisiert: Keying → Roto/Masking → 3D-Integration → Particle/Effects-Layer → Color-Correction → Output. Ein einzelner Shot kann hundert Knoten in deinem Nuke-Skript haben. Und wenn eine neue VFX-Plate reinkommt oder der Client sagt, dass die Szene fünf Frames länger sein soll — die gesamte Ebenen-Struktur muss skalieren. Deshalb arbeiten professionelle Compositor:innen modular, organisieren ihre Knoten in Gruppen, schreiben Expression-Helper und dokumentieren ihre Logik. Am Ende exportierst du eine «Plate» — das finale, flache Bild, bereit fürs DCP oder Broadcast.