Finale, spielfertige Dateistruktur für Kino — JPEG2000-komprimiert, mit Timecode, Metadaten, OV und Tonspuren. Geht direkt auf den Kinoserver.
Die digitale Kinoausspielung funktioniert nur mit einer standardisierten Paketstruktur — und genau hier kommt das DCP ins Spiel. Du packst deinen fertig geschnittenen und gegraded Film nicht einfach als ProRes oder DNxHD ins Kino, sondern erstellst ein komplett separates, in sich geschlossenes Datenpaket, das der Kinoserver ohne Umschweife abspielen kann. Das DCP ist dein finales Lieferobjekt an den Distributor und die Lichtspielhaus-Betreiber — es enthält alles, was der Projektor braucht: Bild, Ton, Untertitel, Metadaten und einen eindeutigen Identifier.
Technisch funktioniert das so: Das Bild wird in JPEG2000 komprimiert, eine Wavelet-basierte Kompression, die bei Kino-Auflösung (typisch 2K oder 4K DCI) deutlich platzsparender arbeitet als andere Verfahren, ohne dabei sichtbar an Qualität zu verlieren. Die Audiospuren liegen als unkomprimierte WAV oder als Dolby/DTS-komprimierte Fassung vor — je nachdem, was die Kinos im Paket bekommen sollen. Dazu kommen XML-Metadaten, die Länge, Timecode, Bilderrate und Formatangaben enthalten. Der kritische Punkt: Alles läuft in einer strikten Ordnerstruktur ab — ASSETMAP, VOLINDEX, PACKINGLIST und die einzelnen RSA-Verzeichnisse für Video und Audio. Eine abweichende Dateistruktur, und der Kinoserver liest gar nichts.
Am Set oder in der Post-Production merkst du von diesem Format wenig — deine Arbeit endet mit der DCP-Erstellung im Lab oder beim DCP-Dienstleister. Aber beim Ausliefern wird's kritisch: Jede Tonspur muss korrekt gemappt sein, der Timecode muss zum Schnitt passen, die Bildrate muss exakt 24p oder 25p sein. Ein falscher Frame und die ganze Synchronisation rutscht in den Argen. Die meisten Distributor stellen sehr genaue Anforderungen — oft brauchst du mehrere Versionen: eine für Deutschland, eine für Österreich, möglicherweise eine ohne Untertitel-Overlay (OV) und eine mit Untertiteln (OV mit separater SUB-Spur).
Praktisch heißt das: Rechne mit 1–3 Werktagen Erstellungszeit beim Lab ein, kalkuliere Revisionen ein (falscher Schwarzwert im Bild, Audio-Pegel zu leise), und lagere die endgültigen DCPs an mindestens zwei Orten — einer geht ans Kino, einer bleibt als Archiv. Die Dateigröße ist erheblich — ein 2K-DCP mit Stereo-Ton liegt schnell bei 50–150 GB, 4K noch massiver. USB-Festplatte ist Standard für Übergaben, aber auch Hochladen via Aspera oder FTP ist üblich geworden.