Schallwelle als Bitsequenz — meist PCM (44,1/48/96 kHz). Standardformat für Film seit DAT, heute Dante über Netzwerk. Keine Bandverzerrung, aber: Sampling-Rate und Bit-Tiefe entscheidend.
Digitales Audio wandelt Schallwellen in Bitsequenzen um — das war die Revolution, die Anfang der 1990er den Filmton vom Band befreite. PCM (Pulse Code Modulation) ist dabei die Standardmethode: Der kontinuierliche Ton wird in regelmäßigen Intervallen gemessen (gesampelt) und als Zahlenwert gespeichert. Die Sampling-Rate bestimmt, wie oft pro Sekunde diese Messung stattfindet. 44,1 kHz reicht für Musik, aber am Film-Set arbeiten wir mit 48 kHz — das ist der internationale Standard seit der DAT-Ära. Manche Produktionen gehen auf 96 kHz, besonders bei hochauflösendem Mastering oder wenn Submix-Headroom kritisch wird.
Die Bit-Tiefe — meist 24 Bit im professionellen Umfeld — bestimmt die Auflösung dieser Messwerte. 24 Bit bedeuten theoretisch etwa 144 dB Dynamikumfang; 16 Bit (CD-Standard) sind deutlich limitierter, aber noch ausreichend für viele Anwendungen. Bei der Tonaufnahme am Set verwenden wir fast durchweg 24 Bit / 48 kHz auf Recordern wie dem Sennheiser MKE 600 oder drahtlosen Systemen — das ist der kleinste gemeinsame Nenner für Postproduktion.
Der entscheidende Vorteil gegenüber analogem Band: Keine Verschlechterung bei Kopien, kein Verschleiß, keine Bandverzerrung. Du kannst die gleiche WAV-Datei hundertmal kopieren — sie klingt identisch. Das Problem liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in der Quantisierung: Wenn du zwischen zwei Messwerten landen, muss gerundet werden. Das erzeugt Quantisierungsrauschen. Mit 24 Bit ist das unhörbar; mit 16 Bit bei sehr leisen Signalen kann es kritisch werden.
In der modernen Postproduktion dominiert das Dante-Protokoll — digitales Audio über Netzwerk, unkomprimiert, mit minimaler Latenz. Das heißt: Ein AES3-Kabel vom Set zum Cart weicht einem Ethernet-Kabel. Dante erlaubt Multi-Channel-Streaming über ein einziges Netzwerk, was bei größeren Produktionen Zeit und Kabelchaos spart. Aber hier fängt auch die Tücke an: Netzwerk-Stabilität wird zur kritischen Größe. Ein Dropout ist ein Dropout — und man sieht ihn nicht, bis man die Takes abspielt.
Speicherung und Archivierung sind ein weiterer Punkt: WAV ist unkomprimiert, robust, Pro-Tools-kompatibel — das Mittel der Wahl. MP3 oder AAC sind für Delivery, nicht für Arbeitskopien. Bei Color Grading und Sound Design ist die Verlustfreiheit nicht verhandelbar. Der Workflow läuft über Session-Dateien (OMF, AAF) oder einfach über XML-Referenzen auf die Medien.