Mobile Hubsteiger-Plattform mit integriertem Generator, auf der Lichter in 20–30m Höhe positioniert werden. Standard für Mond- oder Stadion-Looks bei Nachtaußen-Drehs.
Überblick
Als Condor bezeichnet man am Set eine mobile (fahrbare) Hub-Arbeitsbühne (Teleskop- bzw. Gelenkteleskopbühne, engl. boom lift oder cherry picker), mit der Beleuchtung, Grip-Equipment und Crew weit über Bodenniveau positioniert werden. Der Begriff stammt vom US-Hersteller Condor (heute Time Manufacturing) und hat sich zum Gattungsnamen entwickelt – im Sprachgebrauch wird er heute unabhängig vom tatsächlichen Fabrikat verwendet. Dabei deckt der Gattungsbegriff sowohl selbstfahrende Bühnen (z. B. JLG, Genie) als auch LKW-montierte Geräte ab; die namensgebende Marke Condor baut vor allem LKW-montierte (truck-mounted) Bühnen wie die Modelle 150-S oder 170-S. In der deutschen Produktion sind ebenso die Begriffe Hubsteiger, Arbeitsbühne oder „Steiger“ gebräuchlich.
Der Condor zählt funktional zum Grip- und Beleuchtungsbereich, nicht zur Farbkorrektur oder Postproduktion: Er ist im Kern ein mobiler, frei positionierbarer Hochstativ-Ersatz für schwere Lichtquellen.
Einsatz am Set
Die häufigste Anwendung ist die hochgelegene Lichtsetzung bei Nacht-Außenaufnahmen – etwa um Mondlicht (Moonlight) oder eine großflächige Grundausleuchtung aus großer Höhe zu simulieren. Dafür werden leistungsstarke HMI- oder LED-Scheinwerfer im bzw. unter dem Korb montiert. Weitere typische Einsätze:
- Tagaufnahmen: Aufhängen von Diffusion (Frames) oder Flags zur Steuerung von Sonnenlicht.
- Zugang zu sonst unerreichbaren Positionen wie Dächern, Baumkronen oder über Fassaden.
- Gelegentlich als Hochstandpunkt für Kamera-Establishing-Shots.
Wegen elektrischer Last, Kabelführung und Personengewicht im Korb ist der Betrieb sicherheitskritisch; Windgeschwindigkeit wird mit einem Anemometer überwacht, und die Tragfähigkeit der Bühne darf nicht überschritten werden.
Rigging und Hardware
Scheinwerfer werden klassisch über eine senkrechte Speed-Rail-Stange am Korbgeländer befestigt – diese Konstruktion heißt im Grip-Jargon „Candlestick“ (Kerzenständer) und wird mit Cheeseboro-Klemmen fixiert. Schwere Fixtures lassen sich auch über ein modulares Aluminium-Truss-System (z. B. Mod-X) unter dem Korb anbringen.
| Begriff | Funktion |
|---|---|
| Candlestick | Senkrechte Speed-Rail-Stange am Korbgeländer zur Lichtmontage |
| Speed Rail | Standardisiertes Aluminium-Rohr als modulares Rigging-Element |
| Cheeseboro / Cheeseborough | Klemme zum Verbinden zweier Rohre im festen Winkel (meist 90°) |
| Truss (Mod-X) | Modulare Traverse zur Montage schwerer Fixtures unter dem Korb |
Zur Sicherung gilt das Redundanzprinzip: Fixtures werden zugleich über Ratchet-Straps (Spanngurte) und feste „Hard Mounts“ angebunden, sodass bei Ausfall einer Verbindung die zweite hält. Motorisierte Yokes und Fernsteuerung erlauben es, Helligkeit, Farbtemperatur und Abstrahlung zu justieren, ohne dass Personal im Korb verbleiben muss.
Technische Daten
Condor-Bühnen gibt es als reine Teleskopbühnen (straight boom) und als Gelenkteleskopbühnen (articulating boom). Die Arbeitshöhe variiert stark je nach Modell: Für die Filmbeleuchtung sind oft Höhen im Bereich von etwa 40 bis 60 Fuß ausreichend, während größere Geräte ein Vielfaches davon erreichen. Jede Bühne hat eine herstellerseitig definierte Tragfähigkeit, die in einen „unrestricted“-Bereich (volle Bewegungsfreiheit des Auslegers) und einen „restricted“-Bereich (eingeschränkter Bereich, meist bei maximaler Höhe/Ausladung) unterteilt ist. Konkrete Werte zu Höhe und Tragfähigkeit sind modellabhängig und müssen der jeweiligen Lasttabelle des Geräts entnommen werden.