Rohes Video- oder Audiomaterial einer einzelnen Kameraposition oder eines Takes — in der Schnittbearbeitung das Basis-Element. Nicht zu verwechseln mit Sequence oder Projekt.
Auf dem Schneidetisch beginnt alles mit dem Clip — dem rohen Material einer einzelnen Kamerafahrt, eines Takes oder einer Audioaufnahme. Du packst deine Rushes aus der Kamera, organisierst sie in der Timeline deines Editors, und jedes dieser diskreten Stücke ist ein Clip. Es ist die kleinste sinnvolle Einheit, die du greifen, verschieben, trimmen und mit anderen kombinieren kannst.
Im Schnitt funktioniert der Clip wie ein Lego-Stein — eigenständig genug, um isoliert zu arbeiten, aber erst in der Kombination mit anderen entsteht die Geschichte. Du importierst eine Festplatte mit zehn Takes einer Dialogszene: Jeder Take wird zu einem Clip in deinem Bin. Manche Editoren unterscheiden zwischen Master Clip (das Original-Datei-Referenzobjekt) und Subclip (ein zugeschnittener Ausschnitt davon), aber praktisch am Set und in der Post-Produktion sprichst du von Clips, wenn du Material austauschst oder neu arrangierst. Ein Clip kann drei Sekunden Musik sein oder zwei Minuten B-Roll — die Länge ist nebensächlich, die Abgrenzung ist es.
Die kritische Unterscheidung: Ein Clip ist nicht deine Sequence (die fertige Timeline mit allen übereinander gestapelten Spuren) und nicht dein ganzes Projekt (die Meta-Ebene, die alle Bins, Einstellungen und Renders verwaltet). Ein Clip ist Material. Du sammelst Clips, wählst aus, arrangierst sie, schneidest sie zu — und daraus baust du Sequences. Viele Anfänger verwechseln das und versuchen, einen einzelnen Clip als Projekt zu exportieren, was in den meisten modernen NLEs zu Verwirrung führt.
In der Praxis: Beim Import tagst du Clips mit Metadaten (Scene, Take, Kamera, Länge), um sie später zu finden. Du wendest Color Correction oder Audio Normalization auf einen Clip an, und diese Änderung betrifft jeden Verweis auf ihn in deinen Sequences — das ist der Vorteil des referenziellen Systems. Gleichzeitig kannst du denselben Clip mehrfach in verschiedene Sequences legen oder ihn mehrfach in derselben Sequence verwenden, ohne dass Speicher verschwendet wird. Das ist die Kraft der digitalen Schnitt-Architektur: Clips sind Fenster zu Daten, nicht die Daten selbst.