Spielfilm, in dem die gesamte oder überwiegende visuelle Welt digital aufgebaut ist — von Pixar bis Stop-Motion. Kamera, Licht, Komposition entstehen im virtuellen Raum.
Wenn du auf einem CG-Film sitzt, arbeitet du in einer inversen Welt: Die Kamera existiert nicht, die Lichter sind Shader-Parameter, und die Set-Grenzen definiert die 3D-Engine. Ein CG-Film entsteht vollständig oder zu überwiegenden Teilen im digitalen Raum — ob photorealistisch wie beim Motion-Capture-Drama oder stilisiert wie bei Pixar-Features. Das unterscheidet ihn fundamental von Hybrid-Produktionen, die reale Aufnahmen mit VFX-Ergänzungen kombinieren.
Am Set — oder besser: in der virtuellen Produktion — funktioniert deine Arbeit als digitaler Director of Photography. Du positionierst nicht-physische Kameras, stellst Lichter, die keine Watt haben, und komponierst Frames in einer Software-Umgebung, die beliebig oft neugerendert werden kann. Das bedeutet radikale Freiheit: Du kannst die Brennweite bei Take 47 ändern, ohne die Lichter nachzujustieren. Gleichzeitig brauchst du die gleiche visuelle Sprache — Linienführung, Tiefenstaffelung, Farbharmonie — wie bei echten Kameras. Nur eben: alles muss bewusst konstruiert sein. Es gibt keine zufälligen Details, die Authentizität schaffen.
Die Praxis unterscheidet zwei große Ansätze: Motion Capture (Avatar, Planet der Affen) überlagert echte Schauspieler-Performance auf digitale Körper und Sets; Full 3D-Animation (Toy Story, Inside Out) verzichtet komplett auf Live-Action. Bei Motion-Capture arbeitest du mit Referenz-Footage und muss später entscheiden, wie viel des Performance-Details du bewahren oder glätten willst. Bei Full-Animation gestaltest du jede Bewegung, jeden Blick aus der Intention heraus — keine Spontaneität vom Set, aber maximale Kontrolle über Timing und Storytelling.
Wichtig: CG-Filme erfordern ein Umdenken bei der Lichtgestaltung. Echte Lichter haben Falloff, Diffusion, Reflexionen — natürliche Unregelmäßigkeiten. Im Digital-Raum musst du diese aktiv hinzufügen, sonst wirkt alles flach und perfekt (und damit tot). Der Rendering-Prozess ist deine finale Belichtung; du sitzt nicht im Schnitt daheim, sondern orchestrierst vielleicht Wochen Recalc-Zeit. Jede Änderung kostet. Das ist der wahre Unterschied: nicht mehr kreative Freiheit im klassischen Sinn, sondern andere Freiheit — und ganz andere Zwänge.