High-Speed-35mm-Kamera von ARRI für Zeitlupenaufnahmen bis 150 Bilder/Sekunde mit kristallklarer Bildqualität.
Technische Details
Die Kamera wiegt im Grundaufbau 4,8 kg und misst 295 × 140 × 195 mm. Das Spiegelreflex-System arbeitet mit einem 45°-Spiegel und 144°-Verschluss, der stufenlos von 11,2° bis 180° verstellbar ist. Die Filmführung erfolgt über vier Perforationsstifte mit registerstabiler Positionierung auf ±0,0025mm. Das Objektivgewinde entspricht dem PL-Standard mit 48mm-Durchmesser. Verfügbare Filmmagazine fassen 400ft oder 1000ft Material, wahlweise als Koaxial- oder Standard-Ausführung. Die integrierte Zeitsynchronisation arbeitet mit Kristallquarz-Genauigkeit.
Die modularen Komponenten umfassen verschiedene Suchersysteme (Video-Tap, Prismensucher, Winkelsucher), Handgriffe, Follow-Focus-Systeme und Stromversorgungsoptionen von 12V bis 30V DC. Optional verfügbar sind Speed-Control-Module für präzise Bildfrequenz-Steuerung und Remote-Control-Interfaces.
Geschichte & Entwicklung
Arri führte die 435 im Jahr 1995 als Nachfolger der bewährten 35-III ein. Die Entwicklung zielte auf erhöhte Modularität und Studiofähigkeit bei gleichzeitiger Beibehaltung der Zuverlässigkeit der Vorgängermodelle. 1998 folgte die Erweiterung um High-Speed-Varianten für Zeitlupenaufnahmen bis 150fps.
Mit der zunehmenden Digitalisierung stellte Arri 2009 die Produktion neuer 35mm-Filmkameras ein, die 435 blieb jedoch bis heute bei Rental-Häusern verfügbar. Sie markierte den Übergang zwischen klassischen 35mm-Systemen und den späteren digitalen Arri-Kameras wie der Alexa-Serie.
Praxiseinsatz im Film
Die 435 etablierte sich schnell als Standard für Studioproduktionen und kontrollierte Umgebungen. Cinematographer Conrad Hall nutzte sie für "American Beauty" (1999), um die präzise Bildkomposition der Vorstadtästhetik zu realisieren. Wally Pfister setzte sie bei "The Dark Knight" (2008) für komplexe Kamerabewegungen in den Gotham-Sequenzen ein.
Die modulare Bauweise ermöglicht schnelle Konfigurationswechsel zwischen Handheld-, Steadicam- und Stativbetrieb. Das leise Laufwerk (unter 24dB) macht sie dialog-tauglich, während die präzise Bildstandregistrierung komplexe VFX-Arbeiten unterstützt. Die Zeitsynchronisation gewährleistet frame-genaue Playback-Synchronisation bei Musiksequenzen.
Vergleich & Alternativen
Gegenüber der 35-III bietet die 435 erhöhte Modularität und bessere Studiointegration, verzichtet jedoch auf die extreme Kompaktheit der Vorgängerin. Die zeitgleiche Panavision Platinum überzeugt durch noch leiseres Laufwerk, während Arris System mit überlegener Objektivkompatibilität punktet.
Moderne digitale Nachfolger wie die Arri Alexa Classic (2010) oder Sony Venice (2017) ersetzen den Filmtransport durch Sensortechnologie, bieten aber vergleichbare Modularität. Für authentische 35mm-Optik oder spezielle High-Speed-Anwendungen bis 150fps bleibt die 435 jedoch konkurrenzlos, da digitale Kameras bei extremen Bildraten meist auf reduzierte Auflösungen angewiesen sind.