Die ursprüngliche Arriflex 35 'Standard' Kamera (1937) – die erste Spiegelreflex-Filmkamera der Welt. Revolutionierte das Kino durch Echtzeit-Bildkontrolle und ermöglichte neue filmische Techniken.
Was ist die ARRI ST?
Die Arriflex 35 ST ("Standard", 1937) war die erste Spiegelreflex-Filmkamera der Welt. Entwickelt von August Arnold und Robert Richter in München, revolutionierte sie das Filmemachen durch einen 45°-Spiegelverschluss, der erstmals eine Echtzeit-Bildkontrolle während der Aufnahme ermöglichte. Diese Innovation wurde zum Standard für alle professionellen Filmkameras.
Technische Spezifikationen
| Eigenschaft | Arriflex 35 (1937) | Arriflex II (1946) |
|---|---|---|
| Format | 35mm | 35mm |
| Gewicht | 3,5 kg | 4,0 kg |
| Bildrate | 8–48 fps | 8–50 fps |
| Verschluss | 180° Spiegel | 180° Spiegel |
| Sucher | Spiegelreflex (45°) | Spiegelreflex (45°) |
| Mount | ARRI Standard | ARRI Standard |
| Magazin | 60m / 120m | 60m / 120m |
Die Revolution: Der Spiegelreflex-Sucher
Vor 1937:
- Separate Parallaxen-Sucher
- Kein Blick durch das Aufnahme-Objektiv
- Fokussierung nach Maßband
- Bildausschnitt nur geschätzt
Ab 1937 (Arriflex):
- 45°-Spiegel reflektiert Bild zum Sucher
- Während Belichtung: Spiegel dreht weg
- Echtzeit-Bildkontrolle
- Präzise Fokussierung möglich
Die Entstehungsgeschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1917 | ARRI gegründet von Arnold & Richter |
| 1924 | Erste Kamera-Experimente |
| 1931 | Patent für Spiegelreflex-System |
| 1937 | Arriflex 35 Markteinführung |
| 1939 | Erste Kriegsberichterstattung |
| 1946 | Arriflex II nach dem Krieg |
Bedeutung für das Kino
Dokumentarfilm
Die kompakte, handgehaltene Arriflex ermöglichte:
- Echte Frontberichterstattung im 2. Weltkrieg
- Cinema Vérité und Direct Cinema
- Neue journalistische Formen
Spielfilm
Der Spiegelreflex-Sucher ermöglichte:
- Präziseres Arbeiten
- Schnellere Setups
- Komplexere Kamerabewegungen
- Handkamera-Ästhetik
Historische Filme
| Kontext | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kriegsberichterstattung | Wehrmacht-Wochenschau | Erste mobile 35mm-Berichte |
| Nachkriegskino | Neorealistmus | Straßen-Aufnahmen |
| Hollywood-Adoption | 1950er Jahre | Außenaufnahmen, B-Kameras |
Arriflex vs. Mitchell
In den 1940er-50er Jahren konkurrierten zwei Systeme:
| Eigenschaft | Arriflex 35 | Mitchell Standard |
|---|---|---|
| Sucher | Spiegelreflex | Parallax-korrigiert |
| Gewicht | 3,5 kg | 25 kg |
| Mobilität | Handhaltbar | Stativ-gebunden |
| Geräusch | ~40 dBA | ~20 dBA (geblimpt) |
| Stärke | Bewegliche Kamera | Studio-Präzision |
| Verbreitung | Europa, Dokumentar | Hollywood-Studios |
Ergebnis: Die Arriflex dominierte mobile Aufnahmen, Mitchell die Studioarbeit. Beide beeinflussten sich gegenseitig.
Die technische Innovation
Der 45°-Spiegelverschluss
FUNKTIONSWEISE:
Während Belichtung:
[Objektiv] → [Film]
↑
(Spiegel oben)
Zwischen Bildern:
[Objektiv] → [Spiegel 45°] → [Sucher/Auge]
↑
(Film transportiert)Vorteil: Kameramann sieht genau das, was aufgenommen wird – bei ca. 24 fps erscheint das Bild kontinuierlich.
Der ARRI Standard Mount
Die Arriflex 35 etablierte den ersten ARRI-Objektivmount:
- Schraubgewinde mit drei Stiften
- Schneller als Gewindemounts
- Standard für alle frühen ARRI-Kameras
- Später ersetzt durch Bayonet und PL
Varianten der frühen Arriflex
| Modell | Jahr | Besonderheit |
|---|---|---|
| Arriflex 35 | 1937 | Original |
| Arriflex 35 II | 1946 | Nachkriegs-Verbesserungen |
| Arriflex 35 IIA | 1953 | Verbesserter Sucher |
| Arriflex 35 IIB | 1960 | Variable Verschlusswinkel |
| Arriflex 35 IIC | 1964 | → ARRI 2C |
Das Erbe der ST
Die Arriflex 35 ST begründete:
Technische Standards
- Spiegelreflex-Sucher als Standard
- Kompaktes, modulares Design
- ARRI-Mount-Systeme
Filmästhetik
- Handkamera als künstlerisches Mittel
- Dokumentarische Spielfilm-Elemente
- Mobile Kameraarbeit
Unternehmensgeschichte
- ARRI als führender Kamerahersteller
- Grundlage für alle folgenden ARRI-Kameras
- Bis zur Alexa und heutigen Systemen
Heute
Die Original-Arriflex 35 ist heute ein Sammlerstück:
| Zustand | Wert |
|---|---|
| Museum-Qualität | 5.000–15.000 € |
| Funktionsfähig | 2.000–5.000 € |
| Dekoration | 500–1.500 € |
- Museen – Deutsches Filmmuseum, Academy Museum
- Sammler – Kame